Full text : Bankpolitik

41.  Oer  hqpothekarkredit.

19!

Bei  den  deutschen  Versicherungsgesellschaften  betragen  die  hgpothekarkredite
  85%  der  Prämienreserve,  ein  außerordentlich  hohes  Verhältnis, ­
  das  in  keinem  andern  Staat  auch  nur  annähernd  erreicht  wird.
Nur  die  österreichischen  Versicherungsgesellschaften  wenden  gleichfalls
eine  namhafte  (Quote  ihrer  Prämien  dem  hgpothekentredit  zu,  die  aber
hinter  der  deutschen  weit  zurückbleibt,  vie  Ursache  der  Bevorzugung
der  chgpothekenanlage  bei  den  deutschen  Versicherungsgesellschaften
gegenüber  dem  Rentenkauf  liegt  in  der  günstigeren  Verzinsung  und
der  Vermeidung  bilanzmäßiger  Kursverluste,-  namentlich  in  der  letzten
Periode  sinkender  Rurse  haben  die  Versicherungsgesellschaften  in  Deutschland ­
  und  Oesterreich  den  hgpothekarkredit  immer  mehr  in  den  Vordergrund ­
  treten  lassen.
vie  Versicherungsgesellschaften  haben  in  der  Prämienreserve  langfristige ­
  mittel  zur  Verfügung,  von  den  Einlagen  der  Sparkassen  unterliegt ­
  aber  ein  erheblicher  Teil  kurzer  Kündigung.  Es  ist  darum  mit  Recht
die  Zrage  aufgeworfen  worden,  ob  die  traditionsmäßige  Bevorzugung
des  Hgpothekarkredits  durch  die  deutschen  und  österreichischen  Sparkassen ­
  mit  den  Liquiditätsforderungen  vereinbar  ist.  Oie  Sparkassen
traten  vor  fast  einem  Jahrhundert  als  kleine  kvohltätigkeitsanstalten  ins
Leben  und  die  Sorge  um  die  Sicherheit  der  Anlage  stand  damals  naturgemäß ­
  im  Vordergrund.  In  der  Gegenwart  aber  tritt  diese  Zrage  an
zweite  Stelle:  die  deutschen  Sparkassen  verwalten  rund  19  Milliarden  ITC.
Volksvermögen,  und  darum  tritt  nicht  mehr  die  Sorge  um  die  Verlustgefahr ­
  für  den  „kleinen  Mann",  sondern  die  Zorderung  der  Liquidität
aus  nationalwirtschaftlichen  Gründen  in  den  Vordergrunds  von  diesem
Gesichtspunkt  aus  scheint  die  Verwendung  von  nicht  weniger  als  70%  der
fremden  Gelder  in  hgpothekarkrediten  zu  hoch  gegriffen  zu  fein;  eine
Aenderung  der  Anlagegewohnheiten  ist  aber  bei  dem  starken  Einfluß
der  mit  den  Sparkassen  verbundenen  Interessengruppen  schwer  durchzuführen,- ­
  zumindest  müßte  aus  Liquiditätsgründen  die  Mobilisierung
eines  Teils  der  Sparkassenhgpotheken  durch  Pfandbriefe  eines  Zentralinstituts ­
  ermöglicht  werden,  wie  dies  in  mehreren  anderen  Staaten,
am  konsequentesten  in  Ungarn,  durchgeführt  wurde.
Vas  Vordringen  der  Sparkassen  und  Versicherungsgesellschaften
hat  allmählich  zu  einem  Abweichen  von  der  Amortisationshgpothek
geführt,  vie  Verleihung  von  Rredit  auf  ein  halbes  Jahrhundert  widersprach ­
  doch  zu  sehr  dem  Eharakter  der  Betriebsmittel  dieser  Institute.
Aber  auch  die  Pfandbriefbanken  haben  in  immer  stärkerem  Maß  die
zehn-  bis  fünfzehnjährige  Zixhgpothek  anStelleder  Amortisationshgpothek
treten  lassen,-^sie  bot  ihnen  die  Möglichkeit  Perioden  teuren  Zinsfußes
            
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