Full text : Bankpolitik

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III.  Der  Kapitalmarkt.

relativ  gesicherter,  zumindest  gewöhnt  er  sich  infolge  des  langsamen
Nachgleitens  mehr  an  das  Sinken  der  Nurse.  Gäbe  es  keine  Börse,  dann
würde  ein  Mann,  der  vor  20  Jahren  englische  Nonsols  gekauft  hat,  wenn
er  sie  jetzt  plötzlich  verkaufen  würde,  mit  einem  Schlage  merken,  daß  er
inzwischen,  ohne  es  wahrzunehmen,  ein  Drittel  seines  Vermögens  verloren ­
  hat.
Durch  die  tägliche  Veröffentlichung  der  Kursbewegung  übt  dis
Börse  eine  starke  Anziehungskraft  auf  die  Verwendung  des  neugesammelten ­
  Kapitals  aus.  Der  Kapitalbesitzer,  welcher  l00  Bankaktien  zu
140  gekauft  hat,  und  ihren  Wert  auf  150  steigen  sieht,  ist  leicht  geneigt,
seine  Einkünfte  in  ähnlichen  Effekten  anzulegen.  Der  von  ihm  erzielte
Gewinn  reizt  seinen  Bekanntenkreis  zu  ähnlichem  Vorgehen.
Die  Börse  hat  darum  starke  Anziehungskraft  schon  in  den  Zeiten
des  jungen  Kapitalismus  ausgeübt  als  es  noch  galt,  die  Einkünfte  von
Agrarvölkern  für  Zwecke  ferner  Kolonien  heranzuziehen.  Ein  vergleich
der  Tage  der  holländischen  Spekulation,  der  Lawschen  und  der  Südseekrise ­
  mit  der  Gegenwart  würde  allerdings  eine  starke  Verminderung
der  Anziehungskraft  der  Börse  ergeben.  Die  Urteilsfähigkeit  des  Publikums, ­
  die  Gewissenhaftigkeit  der  Emissionsstellen,  die  Tätigkeit  der
Zulassungsbehörden,  die  Wirksamkeit  der  Presse  hat  die  Börse  gegenüber ­
  jenen  Tagen  mehr  verbürgerlicht.  Exzesse  durch  phantastische  Beurteilung ­
  der  Zukunftschancen,  wie  dies  im  18.  Jahrhundert  und  noch
im  19.  bis  zur  Krise  von  1873  so  häufig  war,  sind  selten  geworden,  und
der  Rentabilitätssatz  der  Aktien  sinkt  selbst  in  Zeiten  günstiger  Konjunktur
  an  den  Börsen  ernstdenkender  Völker  nicht  zu  tief  herab.  Die  starken
Rückschläge  ergeben  sich  in  der  Gegenwart  vornehmlich  durch  Kapitalisierung
  von  wirklich  erzielten  Hochkonjunkturdividenden,  deren  Aufrechthaltung ­
  nicht  möglich  ist,  zu  niedrigem  Rentabilitätssatz,  nicht  aber
durch  Annahme  phantastischer  Zukunftserträge.
Ueber  die  Anziehungskraft  der  Börse  und  die  Wirkungen,  die  von
ihr  ausgehen,  ist  eine  große  Literatur  geschrieben  worden.  Die  Zahl  der
Volkswirte,  die,  sobald  sie  auf  die  Börse  zu  sprechen  kommen,  in  den
Pastorenton  verfallen,  ist  noch  immer  sehr  erheblich  und  die  Auffassung
der  Börse  als  eines  organisierten  und  staatlich  geduldeten  Monte  Earlo
ist  weit  häufiger  anzutreffen,  als  man  gewöhnlich  annimmt.  Im  vollen
Gegensatz  hiezu  erklären  die  an  der  Börse  interessierten  Kreise  sie  nur
für  ein  Instrument,  einen  Barometer,  der  lediglich  registriert,  aber  keinerlei ­
  Wirkungen  verursacht.
Beide  Anschauungen  ringen  schon  seit  Jahrhunderten  miteinander,
und  doch  ist  keine  von  beiden  wirklich  gerechtfertigt.  Die  verurteilende
            
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