50 Großstadt-Dokumente Bd. 8. Berliner Banken.
lich soll eine solide Bankverwaltung das ihr von den
Depositengläubigern anvertraute Kapital niemals in
Gründungsgeschästen anlegen, sie dürfte es auch nicht
aus Hypotheken mit jahrelanger Sparsrist ausleihen, aber
sie kann aus diesen Mitteln an ihre Kundschaft Kredite
gewähren und Wechsel Kausen. Da diese Geschäfte einen
ganz hübschen Zinsengewinn zu erbringen pflegen, wäh
rend anderseits das Depositengeld tmr geringe Ver
zinsung erreicht, so ergibt sich ein recht akzeptabler
Zwischengewinn, der um so mehr ins Gewicht fällt, als
die Depositensumme oft viel größer oder beinahe ebenso
groß ist, als das zu verzinsende Aktienkapital.
Galten so den ganz großen Banken die Depositen
kassen einmal als Mittel zur Reklame, dann aber auch
als geeignet, für ihre große Geschästsausdehnung billige
Betriebsmittel heranzuziehen, so sind sie anderseits doch
auch wieder mehr dazu gekommen, sie als Vermittlungs
stellen für den Absatz von Wertpapieren zu benutzen.
Für die Banken bedeutet es natürlich einen ganz er
heblichen Vorteil, wenn sie von ihnen emittierte Aktien
oder Renten anstatt durch Vermittlung der Börse durch
Vermittlung ihrer eigenen Depositenkassen, an deren
Schaltern ein vielköpfiges und teilweise recht vermögen
des Publikum verkehrt, unterbringen können. Natürlich
wird dieser Vorteil zum Teil sehr ausgenutzt. Die Vor
steher der Depositenkassen, die vom Gewinn eine Tan
tieme beziehen, können dadurch allzu leicht verleitet
werden, bei der Empfehlung solcher Wertpapiere nicht
mit der nötigen Gewissenhaftigkeit zu verfahren. Wenn
derartige Ausschreitungen von den Depositenkassen der
größeren Banken auch so gut wie gar nicht bekannt
geworden sind, so hat anderseits manche Depositenkasse
der Mittelbanken, namentlich in der Zeit vor dem letzten
Krach, des Guten allzuviel getan. Diese Kassen emp-