Full text: Bankpolitik

61. Das Verhältnis zwischen Bankenplacement und Börsep'acement. 249 
zwischen Kauf- und Verkaufaufträgen bei den Kreditbanken selbst ten 
diere dazu den börsenmäßigen Handel einzuschränken. 
Diese Ansichten, die man häufig hören kann, eilen der Entwicklung 
bei weitem voraus. 
Die Börse ist auch in der Gegenwart noch der Preisbildungs 
markt für alle wichtigeren Effekten. Nur Emissionen kleineren Umfanges 
können mit Umgehung der Börse durchgeführt werden. Auch der Renten 
käufer will den preis kennen, zu welchem er seinen Besitz verkaufen 
kann. Es wäre denkbar, daß sich eine Entwicklung anbahnen könnte, 
derzufolge der dauernde Anleger ebensowenig nach dem Kurs seines 
Wertpapieres fragt wie der Hausbesitzer oder der hgpothekengläubiger. 
Am stärksten zeigte sich dies in Zeiten starker Kapitalflüssigkeit in Zrank- 
reich, wo es mitunter möglich war, selbst große Emissionen ohne Ein 
führung an die Börse unterzubringen. Aber das sind doch bisher nur 
vereinzelte Zölle- und es ist auch wohl zu beachten, daß der Effekten- 
kredit wegen der Zorderung sofortiger Veräußerungsmöglichkeit die 
Börsennotierung unbedingt verlangt. 
Um die Veräußerungsmöglichkeit zu sichern ist es nötig, daß 
die Börse, wenn auch nicht kapitalkräftige Eigenhändler, so doch wenig 
stens von den Banken unabhängige Kommissionsfirmen mit reicher 
Kundschaft besitzt. Gehen aber die Kunden immer mehr zu den Banken 
über, so gleichen die Lanken und Staatsinstitute gegenseitig die Spitzen 
aus, d. h. jene Effektenposten, welche nicht intern kompensiert werden 
konnten, der übrige Markt aber ist wenig tragfähig. Derartige Erschei 
nungen zeigen sich in neuester Zeit nicht selten: Die Kurse vieler Renten 
werte gehen oft an den deutschen Börsen schon bei kleinen Abgaben 
stark zurück, weil sich wenige Abnehmer hierfür finden. 
§ür große Gruppen von werten hat aber die Börse noch starke 
direkte Bedeutung behalten, zunächst für alle Effekten mit schwankendem 
Ertrags bei Bank- und Zndustriewerten mit gleichbleibender Dividende 
und bei Renten hält sie das neue Material solange in Schwebe, bis die 
Unterbringung beim Publikum gelingt. 
Da das Publikum des Bankenplacements gleichmäßigen, jenes 
des Lörsenplacement steigenden Ertrag erwartet, haben die Banken 
und Zndustrieunternehmungen sich zu dem Grundsatz der nach unten 
zu stabilen, nach oben hin langsam ansteigenden Dividende durchgerun 
gen. Durch die langsame Steigerung der Dividende ist die Erzielung 
von Konjunkturgewinn, wenn auch in überaus verdünnter §orm er 
möglicht. Vas hat zur Zolge, daß die Aktien solcher Unternehmungen
	        
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