Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

Banken  weder  auf  dem  offenen  Markt  noch  bei  der  Notenbank  rediskontieren,- ­
  daher  würden  die  in  Wertpapieren  angelegten  Summen  durchwegs ­
  als  liquider  angesehen  als  die  Wechselforderungen.  Vas  ist  unzweifelhaft ­
  richtig  für  die  direkt  genommenen  Wechsel-  die  Bank  von
England  hat  im  18.  und  zu  Anfang  des  19.  Jahrhunderts  die  Diskontierung ­
  von  wechseln  mit  Unterschrift  einer  Privatbank  verweigert,  weil  sie
in  diesen  Konkurrenten  erblickte  und  sie  hat  den  später  entstandenen
Aktienbanken  gegenüber  eine  gleiche  Politik  befolgt,  weil  deren  Gründung ­
  eine  Durchbrechung  ihres  Monopols  bedeutete.  Die  Depositenbanken ­
  haben  sich  darum  auf  sich  selbst  gestellt  und  daraus  ist  bei  ihnen
seit  zwei  Generationen  eine  Anschauung  entstanden,  die  es  für  unehrenhaft ­
  hält  Wechsel  weiterzugeben.  Nach  dieser  Praxis  ist  natürlich  ein
Wechsel,  der  noch  zwei  Monate  lauft,  weniger  liquide  als  sofort  verkäufliche ­
  Konsols.  Eine  andere  Auffassung  aber  gilt  für  die  bwksr,
die  Wechselmakler,  die  Wechsel  kaufen  und  daraufhin  sich  entweder  von
den  Depositenbanken  oder,  wenn  diese  den  Kredit  zurückziehen,  von  der
Notenbank  Geld  leihen-  und  es  ist  eine  gerade  in  den  kritischen  Perioden ­
  der  englischen  Geschichte  erprobte  und  auch  von  der  gegenwärtigen
broker-Generation  geteilte  Ansicht,  daß  Wechsel  auf  dem  Markt  leichter
weiterzugeben  sind  als  Konsols.  (vgl.  für  kritische  Perioden:  Richardfon ­
  vor  dem  Bullioneommittee  von  1810,  124  und  James  im  Report
from  the  select  committee  on  banks  of  issue,  London  1840,  Bd.  2,
1485.)  wenn  nun  ungeachtet  dessen  die  Bedeutung  der  Wechselanlage
so  erheblich  gesunken  ist,  während  gleichzeitig  die  Vorschüsse  erheblich
gestiegen  sind,  so  liegt  die  Ursache  wohl  mit  in  der  Aenderung  der
Zahlungssitten  und  Kreditgewohnheiten.  —
In  den  vereinigten  Staaten,  wo  weder  Geldmarkt  noch  Zentralbank ­
  besteht,  hat  der  Wechseldiskont,  da  hier  die  Mobilisierbarkeit  bisher ­
  nicht  zur  Geltung  kam,  nie  starke  Bedeutung  gehabt,-  die  geplante
Notenbankgssetzgebung  muß  ihn  erst  in  den  Verkehr  gewissermaßen
einführen.
Auf  dem  Kontinent  hat  sich  der  Wechsel  am  stärksten  in  Krankreich
auch  im  Kleinverkehr  eingebürgert  und  dort  nehmen  im  Portefeuille
der  Bank  von  Krankreich  die  Wechsel  unter  100  krs.  mehr  als  die  Hälfte
des  Gesamtbetrags  ein.  Zm  deutschen  Reich  ist  gleichfalls  ein  sehr  ausgebreiteter, ­
  wenn  auch  nicht  ebenso  stark  demokratisierter  Wechselverkehr
  ausgebildet  worden;  aber  auch  hier  macht  sich  namentlich  die
Tätigkeit  der  Konventionen  geltend  und  in  der  Bankenquete  wurde
wiederholt  die  Abneigung  großer  Kunden,  gegen  das  Akzeptieren  von
wechseln  hervorgehoben,  das  zum  Teil  die  Ersetzung  des  warendis-
            
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