39
fährlichkcit des Bergwerksbetriebes, die von den Kriegsgefange
nen, die doch unsere Landesgegner sind, zum Schaden der ge-
sainien Belegschaft und auch des betreffenden Bergwerks aus
genützt werden könnte.
Eine Verständigung über die bisher erwähnten Fragen
liegt nicht nur int Interesse der Bergarbeiter, sondern auch der
Werksbesitzer. Sie würde leicht erzielt werden, wenn eine Ein
richtung vorhanden wäre, in der gemeinsam diese Fragen be
sprochen werden könnten. Ant besten würde sich hierzu ein
Einigungsamt eignen, das man schließlich auch Verständigungs
oder Schlichtungskommission nennen könnte.
Ganz besonders aber würde diese Einrichtung geeignet sein,
sich mit den Beschwerden über u n z u r e i ch e n d e L ö h n e,
die in letzter Zeit immer häufiger werden, zu beschäftigen. Ge
rade die Lohnkürzungen sind zum größten Teil schuld an der
Unzufriedenheit, die unter den Bergarbeitern vorhanden ist.
Zu diesem Punkte lv e r d e n wir noch besonders
spezialisiertes Material ü b e r r e i ch e n*), wollen
aber heute schon bemerken, daß uns von verschiedenen Zechen
Hauerdurchschnittslöhne von 6,20 und 6,30 Mk. und auch noch
darunter gemeldet wurden. Solche Löhne müssen im Hinblick
auf die Geschäftslage int Bergbau und im Hinblick auf die
immer mehr steigenden Preise der Lebensmittel als unzureichend
bezeichnet werden. Ter Wunsch der Bergarbeiter geht nun
dahin, daß sowohl für die Hauer und Lehrhäuer, als auch für
die Schichtlöhner und die jugendlichen Arbeiter, die heute auch
unterirdisch beschäftigt werden, ein angemessener Lohn bezahlt
werde.
Leider ist es bisher den Bergleuten bezw. den gesetzlichen
Vertretern unmöglich gewesen, bezüglich der Lohnfragen mit den
Zechenverwaltungen zu verhandeln. Dieselben stehen fast all
gemein auf dem Standpunkte, daß die Arbeiterausschüsse in der
Lohnfrage nicht zuständig seien
Aus all diesen Gründen halten mir die Errichtung eines
Einigungsamtes, oder auch mehrerer derselben, für den Bergbau
für dringend notwendig. Manches Mißverständnis zwischen
Wcrksbesttzern und Arbeitern könnte dadurch beseitigt, manche
Unzufriedenheit und Erbitterung hintangehalten werden. Wir
brauchen nttr daran zu erinnern, wie segensreich derartige Ein-
richtungcn bisher in anderen Berufen gewirkt haben. Auch im
Bergbau können und müssen sich schon im vaterländischen Inter
esse Arbeitgeber und Arbeiter näher kommen, sich die Hände
*) Der Vorstand unseres Verbandes lieferte das oben in Aussicht
gestellte Material in nachfolgender Eingabe.