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Drittes Buch. Der Liberalismus.
„Hierin liegt“, sagt Bastiat, „das wesentliche Gesetz der sozialen
Harmonie.“ 'Der Grundeigentümer, der in der Theorie Eicaedo’s als
der Drache erscheint, der die Schätze der natürlichen ßeichtümer
bewacht, und dem man Tribut bezahlen muß, um sie benützen zu
können; der in den stürmischen Anschuldigungen, die Peoudhon gegen
das Eigentum schleuderte, als der hingestellt wird, der die Gaben
Gottes sich angeeignet hat, — er erscheint in der Theorie Bastiat’s
nur noch als ein einfacher Vermittler zwischen der Natur und dem
Verbraucher, als ein guter Dienstbote, der für mich an der gemein
schaftlichen Quelle das Wasser holen geht, und dem ich nicht für
das Wasser bezahle, sondern nur für die Mühe, die es ifea beseitet-,
.AS mir zu bringen 1 ).* '
Es kommt aber noch besser mit Hinsicht auf diese Harmonie!
Von den beiden Bestandteilen, die in jedem Gute verbunden sind,
dem kostenden und dem freien oder gemeinschaftlichen Bestandteil,
zeigt der erstere die Neigung, nach und nach im Verhältnis zu dem
zweiten an Bedeutung zu verlieren. Es ist tatsächlich ein allge
meines Gesetz, daß infolge der Fortschritte der Industrie die für
eine gleiche Bedürfnis-Sättigung notwendige menschliche Anstrengung
immer geringer wird. Die neue Arbeit ist fast stets produktiver als
die frühere. Das gilt für alle Erzeugnisse, für das Getreide sowohl
wie für die Kohle, für den Stahl wie für die Baumwollenstoffe, und
nicht nur für die Erzeugnisse der Erde, sondern für den Boden selbst.
Es kostet immer weniger, neuen Boden urbar zu machen, gerade so,
wie es immer weniger kostet, neue Maschinen herzustellen. Der
Teil des natürlichen Nutzen wird aber in keiner Weise geringer:
„Das Getreide hat heute genau denselben Nutzen, wie am Tage nach
der Sintflut.“
Was folgt daraus? Da aller Besitz nur aus einer Summe von
’) „Und ich sage euch: Nein, Ihr habt die Geschenke Gottes nicht unterschlagen.
Umsonst habt ihr sie aus den Händen der Natur empfangen, das ist wahr! Aber
umsonst habt ihr sie auch an eure Brüder weiter gegeben, ohne für euch etwas
zurückzubehalten . . . lebt daher in Frieden, ohne Furcht und ohne Bedenken“
(Harmonies, Kap. VIII, S. 257). , -
„Die Kohle steht allen Menschen gratis in Fülle zur Verfügung; das ist kein
Paradox und keine Übertreibung; sie steht ihnen ebenso gratis und im Überfluß zur
Verfügung wie das Wasser des Bergstromes, nur mit der Bedingung, sich die Mühe
zu geben und sie zu holen oder die, die diese Mühe für uns tun, für diese Mühe zu
entlohnen“ (Harmonies, Kap. X, S. 362). — Bastiat will aber durchaus nicht
sagen, daß die Dividenden der Aktionäre nur die Mühe bezahlen, die sie genommen
haben, um die Kohle zu holen, sondern die Mühe, die sie (in der Form von Erspar
nissen) genommen haben, um die Ausbeutung zu ermöglichen.
J.-B. Say hatte schon davon gesprochen, daß die natürlichen Kräfte umsonst
seien, er sprach aber nur von denen, die sich noch niemand angeeignet hat, wie Luft
und Wasser, und die infolgedessen allen zur Verfügung stehen.