Object : Finanzwissenschaft

XI. Abschnitt. Die persönlichen Ausgaben. 153
lichen Organismus, ist heute das System der ständigen Gehälter
eventuell ergänzt durch verschiedene Beilagen (Wohnungsbeilagen
usw.). Auch die Tantieömen, die eventuell einzelnen Kategorien von
Beamten bewilligt werden, ein gewisses Prozentuale der durch dieselben
 eingelieferten Einnahmen, wie z. B. bei Steuereintreibungen,
sind als solche Zuschläge zu charakterisieren. Hier und da kommt
auch das System des Stücklohnes vor, wo das Gehalt nach der
Quantität der geleisteten Arbeit (z. B. Auszählung von Zählungskarten
 in Statistischen Bureaus) festgesetzt wird.
Das Gehalt wird den Angestellten heute in der Regel in Geld
bezahlt, in einzelnen Fällen in Naturalbeziügen, oder zum Teil in
Geld, zum Teil in natura. Das Naturaleinkommen hängt mit der
Naturalwirtschaft zusammen, es hat sich aus derselben entwickelt
und behauptet sich dort, wo der Charakter der Naturalwirtschaft
noch stark vorwiegt. In diesem Falle werden den Beamten entweder
 Einkommensquellen überlassen (Grundbesitz) oder werden denselben
 gewisse Unterhaltsmittel (Lebensmittel, Wohnung, Heizstoffe,
Kleidung) angewiesen. Mit der Weiterentwicklung des Wirtschaftslebens
 wurde dieses System in den vorgeschritteneren Ländern zur
Ausnahme, denn dessen Voraussetzung war ja natürlich, daß auch
der Staat einen großen Teil seiner Einnahmen in Naturalien bezog.
Der größte Nachteil der Naturalentlohnung besteht darin, daß dieselbe
 für den Staat eine schwankende Last, für den Berechtigten
einen höchst verschiedenen Vorteil bedeutete; dieselbe schmiegt
sich nicht den Verhältnissen des Einzelnen an und ist in dem einen
Fall mit Verschwendung, in dem andern mit Entbehrung verbunden.
Sie bietet hier zu viel, dort zu wenig. Trotzdem ist selbst bei geldwirtschaftlichem
 System diese Art der Entlohnung oft angezeigt,
namentlich mit Bezug auf die Wohnung, da dieses Bedürfnis sonst
in manchen Fällen höchst ungenügend befriedigt würde. Die Naturalentlohnung
 ist ferner berechtigt in solchen Dienstzweigen, wo dies
der Natur des Dienstes entspricht, z. B. Wohnung, Heizung in
entlegenen Gegenden, wo hierfür nicht gesorgt ist, dann bei Forstbeamten
 usw. Auf den unteren Stufen des Staatsdienstes spricht
für die Naturalentlohnung die mangelhafte wirtschaftliche Erziehung,
 Erfahrenheit, Leistungsfähigkeit der Betreffenden (Kleidung,
Wohnung, Heizung beim Dienerpersonal), doch muß gesorgt werden,
daß keine leichtsinnige Verschwendung Platz greife. Auch beim
Militär, namentlich bei der Mannschaft sprechen viele Gründe für
die Naturalentlohnung. Die Gleichmäßigkeit der eingekauften
Waren, die größere Billigkeit bei En-gros-Einkauf, oft auch die
gemeinsame Wohnung usw. sprechen hierfür. Die durch den Welt-
            
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