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Arbeiterhäuser der Spinnerei Lauffenmühle.
Spinnerei Lauffenmühle, Tiengen.
Mit den großen Werken und ihren Einrichtungen kann sie sich nicht messen, aber
auch in der alten Lauffenmühle ist seit einigen Jahren vieles anders geworden. In freier,
sonniger Lage sind für die Arbeiter zwölf geräumige
EINFAMILIENHÄUSER — zu zweit aneinandergebaut — und ein Haus in drei Ab
teilungen mit je zwei etwas kleineren Wohnungen erstanden.
Zu jedem Haus gehört Gartenland. Geranien, Levkoien und Astern erzählen davon,
daß die Bewohner nicht nur der Sorge ums tägliche Brot leben müssen.
SPEISEANSTALT. Die Arbeiter und Arbeiterinnen, die keinen eigenen Herd haben, be
kommen in der Speiseanstalt gesundes, kräftiges Mittag- und Abendessen. Für die jugend
lichen Arbeiter und Arbeiterinnen steht in den Pausen unentgeltlich Milch und Brot bereit.
NÄH- UND FLICKABENDE. In dem großen Saale finden im Winter bei genügender
Beteiligung wöchentlich einmal Näh- und Flickabende für die jungen Arbeiterinnen statt.
Dort hält auch der Männergesangverein Lauffenmühle seine Proben ab. In der Weihnachts
zeit ist er besonders eifrig, wenn er für die Kinder ein schönes Fest vorbereitet.
BÜCHEREI. Der Anfang zu einer kleinen Bücherei ist gemacht.
MÄDCHENHEIM. Für die auswärtigen jugendlichen „Aufsteckerinnen“ ist ein Heim
gegründet worden, das im Fabrikmund den Namen ,,'Taubenschlag“ führt. Der helle Speise
saal, der mit schönen Steindrucken geschmückt ist, und die Schlafzimmer mit ihren weiß
überzogenen Betten machen einen freundlichen Eindruck. Der Baderaum wird eifrig, das
Krankenzimmerchen selten benützt.
Bei ihrem Eintritt ins Heim verpflichten sich die jugendlichen Arbeiterinnen, zehn
Monate in der Fabrik, zwei Monate im Hause zu arbeiten. Auch während der Zeit im
Hause erhalten sie den in der Fabrik üblichen Anfangslohn. Für die meisten sind diese acht
Wochen im Hause eine Ferienzeit, allen dienen sie zur Kräftigung der Gesundheit. Sie
werden in den Hausarbeiten unterrichtet, an Ordnung und Sauberkeit gewöhnt. Den
Garten besorgen die Mädchen im großen und ganzen selbst. Wäre nur das Unkrautjäten
nicht! Aber stolz sind sie, wenn sie im Herbst eine „Ausstellung“ veranstalten von Kraut
und Rüben, Obst, großen Einmachtöpfen und Kleidungsstücken, die sie selbst angefertigt
haben. Jede Woche kommt an einem Abend die Handarbeitslehrerin und gibt den Mädchen
Unterricht im Flicken und Anfertigen von Arbeitskleidern, Schürzen,
Wäsche. Jede lernt es, auf der Maschine zu nähen. Gegen Weihnachten wird auch