Full text: Die Schweiz

116 
wanderten die der Auswanderer um 71500. Nahezu 
die Hälfte der Fremden sind Angehörige des deutschen 
Reichs; auch darin machen sich, wie beim Handel, die 
engen Beziehungen der Schweiz zum nördlichen Nachbar 
land geltend. Dann folgen der Zahl nach Italiener, 
Franzosen und Österreicher. Die Engländer und Russen 
treten gegenüber den Bürgern der Nachbarstaaten zurück. 
Nationalität . Den Italienern liegt der Eisenbahn- und Tunnel 
bau ob; als Erdarbeiter und Maurer finden sie überall 
Verdienst; naturgemäß suchen sie die Orte mit reger 
Bautätigkeit auf. Viele Italiener sind Saisonarbeiter, 
die im Winter gleich den Tessiner Arbeitern in die 
Heimat zurückkehren. Die Deutschen bewohnen als Kauf 
leute, Dekorationsarbeiter, Schriftsetzer, als Arbeiter in 
der Seiden- und in der chemischen Industrie vorwiegend 
die Städte der Nordschweiz, Basel und Zürich. Die 
Österreicher bevorzugen Zürich und St. Gallen, und die 
Franzosen sind in den westschweizerischen Städten, vor 
allem in Genf, stark vertreten. Die einheimischen Arbeiter 
verlassen mehr und mehr gewisse ihnen nicht zusagende 
Gewerbe, und an ihre Stelle treten die Zugewanderten. 
Allsländerfrage Kein anderes Land Europas beherbergt im Ver 
hältnis zur einheimischen Bevölkerung so viele Ausländer 
wie die Schweiz; erreichten sie doch 1910 die Zahl von 
565300. 1850 machten sie noch 3°/o der Gesamtbevöl 
kerung aus, gegenüber 15°/o nach der Zählung von 1910. 
Unter den Bewohnern der Städte Basel und Zürich ist 
je der Dritte ein Ausländer; schlimmer noch liegen die 
Verhältnisse in Genf und Lugano. Diese wachsende Über 
flutung erweckt Bedenken, da die Zugewanderten meist 
Bürger des Heimatstaates bleiben. 
Dem Mißstand kann in der Zukunft durch die 
Zwangseinbürgerung gesteuert werden; die Schweiz 
würde damit nur dem Beispiel anderer Staaten folgen, 
die nach Gesetzesbestimmung die auf ihrem Gebiete ge 
borenen Ausländer als Bürger des eigenen Staatswesens 
aufnehmen. Zu mehr als drei Vierteln sind die Aus-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.