Full text: Die Schweiz

122 
Bewässerung 
Landesprodukte 
Sonnenstrahlung so wirksam wie in den südlichen Alpen 
tälern. In den Hochsommertagen strahlen die sonnen- 
durchglühten Felswände noch lange nach Sonnenuntergang 
die Wärme zurück, so daß oft erst um Mitternacht die 
Kühle eintritt. Dem landesunkundigen Besucher verrät 
sich die Trockenheit des mittleren Wallis schon durch die 
mächtige Staubschicht der Landstraßen und durch die 
Kahlheit der ausgedörrten Felshalden. Unter der ver 
sengenden Glut der Sonne wachsen auf dem trockenen 
Felsgrund kleinblättrige Gestrüppe und Pflanzen, die 
durch ein Haarkleid die Verdunstung mindern oder in 
fleischigen Blättern Feuchtigkeit aufspeichern. Die Trocken 
heit macht künstliche Bewässerung nötig. Lange Leitungen, 
die Wasserfuhren oder „dissss", mit staunenswerter 
Kühnheit den Schutthalden und senkrechten Felswänden 
entlang und über Schluchten hinweg angelegt, führen 
von den Gletschern des Talhintergrundes oder aus Berg 
seelein das Wasser zu den Getreidefeldern und zu den 
Bergwiesen hinaus. Sogar der Weinstock, der in der 
übrigen Schweiz eher unter zu großer Feuchtigkeit leidet, 
muß hier bewässert werden. Der gemeinschaftliche Unter 
halt und die gemeinschaftliche Nutzung der Wasserfuhren 
nach den genau befolgten Satzungen des Wasserrechtes 
stärken in hohem Maße den Zusammenhalt der Gemeinde 
glieder. 
Bis zur Höhe von 1000 in über Meer sind an 
den sonnigen Halden terrassenartig ausgemauerte Wein 
berge angelegt. Der heiße Sommer kocht hier jene süßen 
Trauben, die in Menge in die übrige Schweiz versandt 
oder zu dem vorzüglichen, schweren Walliserwein gekeltert 
werden. Die Obstgärten des untern Wallis versorgen 
die ganze Schweiz mit einem Reichtum von edlen Früchten, 
Aprikosen, Pfirsichen, Äpfeln und Birnen; die Gemüse 
felder auf der Schlammerde der Rhoneebene liefern die 
bekannten Walliser Spargeln. Inmitten des Überflusses 
an Früchten gewinnt die Konservenbereitung einen stets 
wachsenden Wert. An den Halden des Rhonequertales
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.