Full text : Die Schweiz

30

Lolalwlnde

unter  Föhnbränden  gelitten.  Wenn  in  den  Tälern  der
Föhn  losbricht,  so  müssen  nach  Vorschrift  der  Föhnpolizei
alle  Feuer  sorgfältig  gelöscht  werden.
Unter  der  Sonnenwärme  allein  würden  die  Schneemassen ­
  im  Gebirge  erst  spät  im  Sommer  zergehen;  der
Föhn  räumt  rasch  damit  auf.  Die  Bergbewohner  fassen
diese  wohltätige  Wirkung  in  die  Worte  zusammen:  „Ohne
Föhn  kein  Frühling!"  Seine  Trockenheit  schädigt  wohl
etwa  die  Baumblüte;  aber  unter  seinem  warmen  Hauch
reift  im  Rheintal  zwischen  Chur  und  Bodensee  der  Wein.
Am  häufigsten  tritt  der  Föhn  in  der  kühlen  Jahreszeit
auf.  Altdorf  zählt  im  Jahr  durchschnittlich  48  Föhntage, ­
  Guttannen  im  Haslital  sogar  79.  In  Meiringen
wacht  die  Föhnpolizei  an  40—50  Tagen.  Die  Föhntage
bringen  im  Winter  im  Mittel  eine  Temperaturerhöhung
von  7  °;  schon  am  frühen  Morgen  kann  dann  eine  geradezu ­
  sommerliche  Wärme  herrschen.  Im  Mittelland
wird  der  Föhn  selten  als  Luftströmung  verspürt;  meist
meldet  er  sich  hier  durch  andere  Anzeichen.  Die  trockene
Luft  zehrt  den  leichten  weißlichen  Dunstschleier  auf,  der
für  gewöhnlich  die  Fernsicht  trübt.  In  scharfen  Umrissen
und  tiefen  Farben  stehen  dann  die  Berge  in  der  eigentümlich ­
  klaren  Luft,  scheinbar  zum  Greifen  nahegerückt.
Hinter  den  Bergzacken  im  Süden  steht  unbeweglich  eine
Wolkenbank,  die  „Föhnmauer".  Liegt  beim  Auftreten
des  Föhns  eine  Nebeldecke  über  dem  Mittelland,  so  löst
er  sie,  vom  Alpenrand  nordwärts  vorrückend,  in  kurzer
Zeit  auf.  Bisweilen  vermag  er  nicht  vollständig  durchzudringen; ­
  dann  ist  es  bis  in  die  Mitte  des  Hügellandes ­
  hell,  während  am  Jurafuß  noch  die  Nebel  stehen.
Bei  der  trockenen  Luft  befällt  den  Menschen  ein  Gefühl
der  Mattigkeit;  der  Föhn  „liegt  ihm  in  den  Gliedern".
In  gewissen  Alpentälern  steigert  sich  die  körperliche  und
geistige  Abspannung  zu  einem  krankhaften  Zustande,
zur  „Föhnsucht".
Lokalwinde.  Höhenrücken  drängen  häufig  die
untern  Luftströmungen  aus  der  ursprünglichen  Richtung
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.