I. Teil.
Vorgeschichte.
Die heutigen katholischen sozialökonomischen Schulen
datieren aus der Zeit nach 1848. Doch haben sie in der ersten
Hälfte des XIX. Jahrhunderts Vorläufer gehabt. Als solche
kommen zunächst die Gesellschaftstheoretiker und Führer der
Gegenrevolution in Frankreich Joseph de Maistre x ) und de Bo
nald 2 ) in Betracht. Beide sind eifrige Verfechter der absolu
tistischen Staats- und Wirtschaftsordnung des ancien régime.
Als Kinder des XVIII. Jahrhunderts kennzeichnen sie ihr rein
abstraktes Räsonnement, ihr Mangel an historischem Verständnis
und an kritischem Sinn. Methodologisch sind de Maistre und
de Bonald für uns insofern von besonderm Interesse, als sie
in scharfer Ausprägung zwei Erscheinungen verkörpern, die für
manche spätere, ja für ganze Schulen, typisch sind.
de Maistre ist ein intuitiver Geist, der den Klassen
standpunkt des Patriziers zum Ausgangspunkt nimmt, klar und
sicher erkennt, was dieser an gesellschaftsorganisatorischen
und wirtschaftspolitischen Postulaten verlangt und dementspre
chend diese Postulate streng einheitlich in einem schroffen
Absolutismus zusammenfaßt und sie alsdann philosophisch
') de Maistres (1753—1821) hauptsächlichste Werke sind: Considérations
sur la France, 1796; Du Pape, 1809; De l’Eglise Gallicane, 1821; Les Soirées
de St. Pétershourg, 2 Bde., 1821; Examen de la Philosophie de Bacon, 1826.
2 ) Die hauptsächlichsten Werke de Bonalds (1753—1840) sind: Théorie
du Pouvoir politique et religieux, 1795. Législation primitive, 1802; Recher
ches philosophiques, 1818.
Über de Maistre und de Bonald vgl., außer den betreffenden Artikeln
der verschiedenen Lexika, insbesondere Emile Faguet, Politiques et Moralistes du
XIX me Siècle, 1. Bd. (7. Ausi.), Paris, 1901, p. 1—122 und: Victor de Clercq,
Les Doctrines Sociales catholiques en France depuis la Révolution jusqu’à nos
jours 1. Bd. (4. Ausi.), Paris, 1905, p. 7 ff.