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verwendet wird, so gilt die Stickerei nicht selten als
Zweig der Baumwollfabrikation. Die kunstvolle Arbeit
und der hohe Produktionswert geben ihr aber eine selb
ständige Stellung. Die Stickerei umfaßt ein enger be- Ausdehnung
grenztes Gebiet als die übrigen Großindustrien der bet ® tiÄerci
Schweiz. Sie ist in den Kantonen St. Gallen, Appenzell
und Thurgau verbreitet; jenseits der Grenze beschäftigt
sie auch die Bewohner des österreichischen Vorarlbergs.
Mittelpunkt des gesamten Industriegebietes ist die Stadt
St. Gallen. Von hier aus gehen die Arbeitsaufträge in
die Landschaft hinaus; dahin kehren die fertigen Waren
zurück und werden in den Ausrüstereien der Geschäfts
häuser für den Verkauf im Großen zubereitet. Demnach
ist es verständlich, daß man stets von den St. Galler
Stickereien redet, gleichgültig, in welchem Teil des Jn-
dustriebezirkes^ sie angefertigt wurden. Die Hauptab
nehmer der St. Galler Stickereien sind die Vereinigten
Staaten und England.
Die feine Handstickerei ist unter der Konkurrenz der Hand- »ud
Stickmaschine seit der Mitte des 19. Jahrhunderts stark
zurückgegangen und beschäftigt heute fast nur noch die eui
Frauen und Mädchen Jnnerrhodens. Dafür hat vom
Bvdensee bis zu den Höhen am Fuß des Säntis die
Maschine ihren Einzug gehalten, in den Dörfern sowohl
wie in den einsam gelegenen Häuschen hoch oben an
steiler Berghalde. Die Maschine ahmt die Handstickerei
nach, ohne jedoch den gleichen Grad der Feinheit zu
erreichen. Sie erzeugt in Menge den Besatz für Weiß-
zeug (Entredeux), Roben, Taschentücher, Schleier. Ein
anderer Zweig, die Kettenstich- oder Grobstickerei, befaßt
sich mit der Anfertigung der Stören und der weißen,
großgemusterten Vorhänge (Rideaux). Die Stickmaschine
wird von Hand betrieben. Sie findet sich vorwiegend
in den Wohnhäusern, in geringer Zahl in Fabriken.
Die mit Wasser oder Dampf betriebene Schisfli-Stick-
maschine ist dagegen ausschließlich für den Fabrikbetrieb
berechnet.