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Heben und Bergen verunglückter Schiffe.
gewagtes und teueres. Die Fortschaffung des in der Elbe gegenüber von Altona ge
sunkenen Schiffes „Athabaska" kostete 120000 Mark. Das Schiff war durch eine
Kollision in zwei Stücke auseinandergerissen. Zuerst wurde der vordere, dann der
Hintere Schiffsteil, nachdem diese durch Taucher gedichtet waren, stromaufwärts ge
bracht. Die Abb. 582 gibt eine Darstellung einzelner Vorgänge dieser mühsamen und
kostspieligen Arbeit.
Eine hochinteressante und trotz der größten Schwierigkeiten bestens gelungene Arbeit
dieser Art ist auch die 1875 und 1876 durch den königlichen Bauinspektor A. Dresel ausgesührte
Hebung des englischen Schraubeuschiffs „Ladt, Cathrine". Dasselbe wurde am 28. Mai 1875
im Hafen von Swinemünde durch das englische Schraubenschiff „Milo" an Backbordseite, 7 in
vom Vordersteven, mit solcher Heftigkeit gerammt, das; die „Milo" tief in die „Lady Cathrine"
eindrang und dieselbe, mit voller Kraft rückwärts arbeitend, eine Strecke weit mit in das
tiefere Fahrwasser zurückzog, bevor sie loskam. Das Wasser drang dann mit großer Schnelligkeit
in den Riß ein, und in wenigen Minuten sank das Schiff, sich infolge einer Absenkung des
Grundes stark überlegend. Die Mannschaft rettete nichts als das nackte Leben. Da nun
durch den Schiffskörper das dort 14 m tiefe Fahrwasser versperrt wurde, so war die Be
seitigung desselben dringend erforderlich. Eine dänische Bergungsgcsellschaft verlangte für die
Sprengung des Schiffes und Herstellung eines freien Fahrwassers bis zu 7,5 m Tiefe
120 000 Mark. Diese Forderung, welche zwar von anderer Seite unterboten wurde, jedoch
mit geringerer Gewähr für die Schnelligkeit und Sicherheit der Ausführung, legte den Wunsch
nahe, die Hebung oder mindestens die Fortschaffung des Wracks aus den; Fahrwasser selbst
zu versuchen.
Die Ausführung geschah nach den Plänen Dresels mit Hilfe von 16 Hcbeprähmcn, welche
eigens zu diesem Zwecke gebaut wurden und so bemessen waren, daß die Hälfte zum Tragen
des Schiffes genügte. Dem Plan lag die folgende Idee zn Grunde, das Schiff sollte mit
Hilfe von Ketten, welche unter deni Kiel desselben durchzuziehen waren, an eine Anzahl
abwechselnd mit Wasser zu füllender und dann zu entleerender Prähme befestigt werden; durch
Auspumpen und gleichzeitiges Anziehen der nach dem 25 m entfernten Bollwerk laufenden
Trossen wurde das ganze System, Wrack und Hebeprähme, diesem zugezogen und auf eine
geringere Tiefe gebracht, so daß mit dem ersten Heben gleichzeitig ein dauerndes Abstützen
verbunden wurde. Sobald die Bordwand über Wasser kommen würde, sollte das Leck ge
dichtet und das Schiff durch Auspumpen flott gemacht werden.
Indessen lag das Schiff schief (Abb. 583), mit den Masten nach unten gerichtet. Es mußte
also vorher aufgerichtet werden, was ebenfalls mit Hilfe der Prähme geschah. Man begann
mit dem Entlasten des Schiffes durch Herausschaffen der unter Wasser lösbaren ■ Teile der
Schiffsrüstung, der Takelung und eines Teils der Kohlenladung. Mittels einer sechspferdigen
Dampfwinde wurden mehrere schwere Anker, Schisfsketten, Tauwerk, Raaen, Segel, Boote,
zwei Dampfmaschinen und 440 cbm Kohlen gehoben, unter zeitweiser Benutzung von 4 Tauchern.