fullscreen: Hansische Beiträge zur deutschen Wirtschaftsgeschichte

11. Der Markt von Lübeck 
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„geschlossenen Stadtwirtschaft‘‘ — zwar noch Goldschmiede und Nädler 
aus besonderen Anlässen an den Markt binden konnte, dagegen kein recht- 
liches oder wirtschaftlich-tatsächliches allgemeines Marktzwangssystem vor- 
fand; eine Einrichtung, die der obrigkeitlich-bevormundende Charakter 
dieser Zeit sicher für seine Zwecke verwendet hätte — wenn sie überhaupt 
noch vorhanden gewesen wäre. 
Für die Tatsache der Auflösung der alten Marktorganisation seit dem 
Jahre 1300 sind in den früheren Ausführungen in anderem Zusammenhange 
so zahlreiche Beispiele gebracht, daß es ermüden würde, alles zu wieder- 
holen; es sei nur an das erinnert, was über Krämer, Filzer, Riemenschneider 
und Waffenhandwerker gesagt wurde. Wichtiger ist, den Motiven nachzu- 
gehen, die seit 1300 diesen Umschwung herbeiführten. Da ist vor allem zu 
nennen: die Überfüllung des Marktes. Die Verlegenheitsauskunft des 
Baues einer Galerie von 19 Filzerbuden über den Schusterbuden an der 
westlichen Marktseite war ein Erzeugnis dieser Überfüllung; sie bewährte 
sich nicht!®2). Im Gegenteil wies sie nur auf die bedenkliche Möglichkeit hin, 
den baulichen Befund der einstöckigen Budenhäuschen zu ändern: diese 
Möglichkeit führte sehr bald dahin, daß die Handwerker und Krämer, 
sobald sie erst das Eigentum an ihren Buden erworben hatten — und das 
geschah ja seit dem Ende des 13. Jahrhunderts in schneller Folge bei den in 
Privateigentum der alten Familien befindlichen Buden!®) — die bisher nur 
als Arbeits- und Verkaufsstellen benutzbaren, kein Obergeschoß führenden 
Buden zu kleinen Häusern umbauten, die zugleich als Wohnhäuser dienten. 
Bis ins einzelne ließe sich dieser Prozeß z. B. für die Blocks II, IV und VI im 
i4. Jahrhundert nachweisen; hier namentlich in Verbindung mit der, für 
den Bestand an dem Marktverkehr wirklich noch dienenden Marktbuden, 
besonders üblen Tatsache, daß die einzelnen Riemenschneider mehrere be- 
nachbarte Buden erwarben und sie zu relativ stattlichen Häusern um- 
bauten!*), Die Krämer hatten mit solchem Zusammenlegen von Buden 
unter gleichzeitigem Umbau zu Wohnhäusern den Anfang gemacht. Bei 
V 223 z. B. ist noch aus der Überlieferung zu erkennen, daß hier einmal 
4 Buden bestanden hatten. So beträchtliche Flächen, wie sie z. B. VII1221 F 
bedeckt, haben ursprünglich nie einer Krämerbude zur Verfügung gestanden. 
Mit dem Ausbau von Budengruppen zu Häusern, die Wohn-, Werk- und 
Verkaufsstätte miteinander vereinigten — so bei den Riemenschneidern — 
zum mindesten eine Vereinigung von Verkaufs- und Wohnstätte — so bei 
den Krämern — herbeiführten, war aber der alte wirtschaftliche Gedanke 
der Marktorganisation, daß der Markt nur zum Verkauf, z. T. auch zur 
Produktion zu dienen habe, durchbrochen. Soweit es sich um Marktbaulich- 
keiten im Privateigentum handelt, gab es jetzt keinen prinzipiellen 
Unterschied mehr zwischen Markt und Straßen. Dasselbe Streben
	        
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