Full text : Weltporto-Reform

langen  Jahren  mit  Nachdruck  erstrebt  worden.  Den  Bestrebungen ­
  konnte  eine  gewisse  Berechtigung  insofern
nicht  ab  gesprochen  werden,  als  das  Porto  seit  dem
Pariser  Postkongress  (1878)  unverändert  geblieben  war,
während  die  Transitentschädigungen  seitdem  nicht
unerhebliche  Ermässigungen  erfahren  hatten.
Vorbereitet  war  die  Verbilligung  des  Vereinsbriefportos
dadurch,  dass  fast  alle  europäischen  Länder  irn  Verkehr  mit
ihren  Kolonien  das  Inlandsbriefporto  eingeführt  hatten  und
Deutschland  waren  dazu  (1896)  42  000  Aufstellungen  nötig,  im  ganzen
Weltpostverein  aber  etwa  500  000  Aufstellungen  und  über  1000  Abrechnungen.
Dabei  ist  die  Gesamthöhe  der  Transitkosten  aller  Länder  im  Hinblick  auf  die
vielen  Postverwaltungen  lächerlich  gering  und  steht  in  argem  Missverhältnis
zu  der  grossen  Mühe.  1893  wirrden  imLandtransit  insgesamt  nur  2754793  kg
Briefe  und  Postkarten  —  also  bloss  2754  Tonnen  —  und  17  329  067  kg  Drucksachen, ­
  Warenproben  und  dergf.  befördert;  die  zu  bezahlende  gesamte
Vergütung  betrug  trotz  des  hohen  Tarifs  nur  11  167  829  Pranken,  wobei
121  Länder  oder  Postgebiete  beteiligt  waren.  Nur  17  von  ihnen
hatten  im  Gesamtabschluss  einen  Einnahmeüberschuss,  104
hatten  dagegen  zu  bezahlen.  Deutschland  hatte  als  Endergebnis
50  000  Pranken  zu  bekommen  (vergl.  hierüber  das  „Archiv  für  Post  und
Telegraphie“  1897,  S.  305—311:  „Die  Briefposttransitgebühren  im  Weltpostverein“). ­
  1890  ergaben  die  Gesamtkosten  des  Transits  8696218
Pranken  bei  106  Ländern,  von  denen  16  zusammen  einen  Ueberschuss
von  3  303  911  Fr.  hatten  und  90  ein  Minus  auf  wiesen.
Das  vom  Deutschen  Eeichspostamt  herausgegebene  „Archiv  für  Post
und  Telegraphie“  (1897,  S.  307)  schrieb  dazu:  „Allgemein  wird  angenommen ­
  werden  müssen,  dass  die  Erträgnisse  aus  den  Landtransitgebühren ­
  für  den  geschlossenen  Transit  bei  den  meisten
Ländern  über  die  Selbstkosten  hinausgehen,  die  ihnen  die  Beförderung ­
  der  Durchgangsposten  auf  erlegt“,  so  dass  also  die  Transitgebühren ­
  „den  Charakter  eines  fiskalischen  Wegezolles“  annehmen. ­
  Ablösungen  und  Abfindungen  sind  öfter  geplant  und  vorgeschlagen
worden,  da  einzelne  Haupt-Durchgangsländer,  besonders  Belgien  und
Holland,  an  den  Transiteinnahmen  sehr  stark  beteiligt  sind,  zumal  bei
den  bisherigen  riesig  hohen  Gebührensätzen,  die  in  auffallendem  Missverhältnis ­
  zu  den  Welt-Portosätzen  der  Briefschaften  stehen.  Aber  eine
Lösung  der  Frage  ist  noch  nicht  erfolgt,  wenn  seitdem  auch  weitere
Transitgebühreuherabsetzungen  stattfanden.
Nach  den  Beschlüssen  des  Weltpostkongresses  zu  Washington
(1897)  sollten  alle  Länder,  deren  Einnahmen  und  Ausgaben  aus  dem  Landtransit ­
  (nach  der  Statistik  für  1896)  zusammen  den  Betrag  von  5000  Pranken
nicht  übersteigen  und  deren  Ausgaben  für  Landtransit  höher  sind,  als
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.