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nahmen hinaus. Und da das Inlandsporto oder Pennyporto
auch Stephans Ideal für den Weltverkehr darstellte, da es an
gesichts der regellosen Entwicklung der zahllosen Postvereino
als neue Weltporto norm besonders dringlich geworden ist und da
nach einem alten Grundsätze der Staats Weisheit gerade
in Zeiten wirtschaftlichen Stillstands oder Niedergangs,
wo das Geld rar ist und die Handels- und Goschäfts-
propaganda verdoppelt einsetzen muss, Verkehrser
leichterungen äusserst notwendig sind, so wäre die inter
nationale Portoreform gegenwärtig besonders nm Platz. Dazu
kommt, dass die allenthalben erhöhten Zölle und die Industrie
krise und die bisherige Geldknappheit den Welthandel er
schwert haben und ein billiges Porto die Anstrengungen, nach
neuen Märkten zu suchen, erleichtern würde. Auch sind die Post
vereine mancher Staaten derart, dass sie die einen Länder im Wett
bewerb bevorzugenund die andern sehr benachteiligen. Sie haben zu
internationalen Differentialbriefzöllen geführt, die die minder
begünstigten oft empfindlich treffen, wenn es sich um Massen
briefe handelt, wie der moderne Geschäftsverkehrsie erfordert.
wirkliche Eeinüherscliuss der Post gewöhnlich weit höher als die Eeehnung
der Eisenbalmleistvmgen. Der Betriebsbericht der preussischen
Staatsbahnen über das Jahr 1906 (S. -16) sagt, die Gesamteinnahme
„würde noch tun 34 390 908 M höher gewesen sein, wenn die Reichspost
die Leistungen der Eisenbahnverwaltnng für Zwecke des Postdienstes voll
vergütet hätte“. Die Eisenbahn berechnet nämlich ihre Leistungen mit
40 244 110 M; die Reichspost vergütete ihr davon aber bloss 10 848 202 M
(1907 waren es 47 504 062 und 11O26 087 M).
Diese Leistungen derEisenbahn, deren Berechnung Stephan
schon in der Eeichstagssitzung vom 18. Januar 1886 dreimal zu hoch
fand, sind aber doch gesetzlich ebenso festgelegt wie etwa die Wehrpflicht
leistungen der Militärdienstpflichtigen. Bekanntlich bekommen die gemeinen
Soldaten jährlich nur 79,20 M „Löhnung“, ein kleiner Teil von ihnen 97,20 M,
115,20 M und 151,20 M. Im Etat für 1906 sind 327 866 Gemeine eingestellt
(allein in Pieussen). Wenn man jedem auch nur das Gehalt einer Köchin
oder besseren Dienstmagd gäbe. z. B 25 M monatlich oder 300 M jährlich,
so würde das schon 75— 100 Millionen Mark mehr erfordern. Man kann
also ebenso von den Reichseinnahmen sagen: wenn der Soldatendienst
voll vergütet würde, wären die Einnahmen noch 'um 100 Milli
onen niedriger oder das Defizit um 100 Millionen grösser. Aber diese
Betrachtung ist müssig, denn wir haben doch mit dem tatsächlichen Rechts-
zustand zu rechnen. Ebenso die Eisenbahn und die Reichspost. Ohne die