Full text: Der Weg der Reparation

schroffe Garantievorschriften mit der einen Hand das wieder zıß 
nehmen, was man an sachlichen Erleichterungen mit der anderen 
Hand geben wolle. Das Mißtrauen gegen die Kommission habe in 
Deutschland tiefe Wurzeln geschlagen. Wenn es nicht gelinge, das 
Vertrauen auf baldige Wiederkehr besserer Zeiten herzustellen, 
und wenn nicht die Entscheidung der Reparationskommission den 
Geist großzügigen Entgegenkommens und wirtschaftlichen Ver- 
ständnisses atme, dann werde es nicht einmal möglich sein, die 
720 Millionen Goldmark für das Jahr 1922 zu bezahlen. Man 
könne doch nicht wollen, daß Deutschland nach kurzer Zeit 
wiederkommen und erklären müsse, auch die ermäßigten Bar- 
zahlungen seien im Devisenmarkte nicht zu beschaffen. Und was 
solle dann werden? Solle etwa das Garantiekomitee selbst ver- 
suchen, die Maßnahmen in Deutschland durchzusetzen, welche 
nach Ansicht der Reparationskommission zu finanzieller Gesun- 
dung führten? Man müsse also die etwaigen Kontrollvorschriften 
sehr vorsichtig fassen, damit sie nicht unabsehbaren Schaden an- 
richteten, 
Aus gleichzeitigen Unterhaltungen mit Seydoux sah ich, daß 
auch die wirtschaftlich am weitesten blickenden französischen 
Kreise das Moratorium bekämpften, weil die damit erklärte 
deutsche Zahlungseinstellung einen üblen Eindruck mache und die 
schwierige Frage der Garantien aufrolle, Hierbei regte Seydoux 
wieder den Gedanken eines vorläufigen Reparationsplans bis zum 
1, Mai 1926 an, In dieser Zeit sollte Deutschland jährlich 720 
Millionen Goldmark in bar zahlen und innerhalb des Zahlungs- 
plans von London die Sachleistungen machen, welche die einzelnen 
alliierten Regierungen in Deutschland bestellen würden. Nach den 
vorliegenden Erfahrungen würden sich diese Sachleistungen, be- 
sonders an Frankreich, in mäßigen Grenzen halten, Das war im 
ganzen derselbe Plan, den ich schon in Amerika besprochen hatte, 
Er konnte aber wegen der vorgeschrittenen Verhandlungen über 
das Moratorium auch jetzt nicht weiter verfolst werden. 
Inzwischen zahlte Deutschland alle zehn Tage die in Cannes 
provisorisch festgesetzten 31 Millionen Goldmark. Die Mark fiel 
weiter, Eine Zusammenkunft der alliierten Finanzminister in Paris 
ara 
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