220
Kapitel XI.
Weltverkehr, Weltbriefmarke
und Weltmünze,
Als auf dem Wiener AVeltpostkongress im Jahre 1891 am
24. Juni der Vorschlag einer nur zum Auslandsverkehr gültigen
Weltbriefmark e *) vom Vertreter des Grossherzogtnms Luxemburg
befürwortet und ein ähnlicher wohlvorbereiteter Antrag
vom Delegierten der Vereinigten Staaten, Potter, empfohlen
und gegen viele Angriffe verteidigt wurde, wobei er die Befürchtung
etwaiger Spekulationsgeschäfte wegen des verbleibenden
geringen Gewinns für mehr eingebildet als wirklich begründet
J ) Schon 1874 tauchten Vorschläge einer Welthriefmarke auf, und
private Anträge lagen dem Berner und Pariser AVeltpostkongress (1878)
vor, ohne jedoch beachtet zu werden. 1885 wurde die Idee auf dem Lissahoner
Kongress von Frankreich prinzipiell verteidigt, und 1891 legte
Luxemburg in Wien, von den Vereinigten Staaten unterstützt, einen
ausführlichen Entwurf vor, wonach internationale Briefmarken zu 25 und
5 Centimes, im Innern Verkehr Tiber nicht verwendbar, vom Internationalen
Bureau zu Bern hergestellt und an die einzelnen Länder abgegeben werden
sollten. Ihr Zweck sollte sein, als Antwortmarke verschickt, als Reisern
arke bei Reisen verwandt und als kleines internationales Zahlungsmittel
verwendet zu werden. 1897 wiederholte Luxemburg den Antrag
noch einmal, zog ihn aber später zurück. Der luxemburgische Postinspektor
I. P. Reis war der Urheber dieses wohldurchdachten Planes, den man in
seinem inhaltreichen Werke „Statistique historiqne du Grand-Duche de
Luxemburg. Histoire des postes“ etc. (Luxemburg 1897. S. 552—558) ausführlich
dargestellt imd begründet findet. (Vgl. über die Schicksale der
AVelthriefmarke auch Weithase, Geschichte des Weltpostvereins, 1895,
S. 175—182; Carl Schröter, Der Weltpostverein, Bern 1900, S. 338 f. und
Hubert Krains, L’Union postale Universelle, Lausanne 1900, S. 90, 91
und 102.)