670
p Freiheit vom Worte“,
XXIV.
Hier rundet sich auch das Zwiegespräch mit der Soziologie.
Drängen jene Grundfragen der Fachwissenschaft ganz in der Richtung,
daß man abermals der inneren Einheit aller Fachwissenschaften unseres
Kreises gewahr wird, heißt dies nicht wieder Soziologie treiben ? Ohne
Zweifel: „Soziologie als Erkenntnislehre“ 1 Es gilt da ausgesprochen
erkenntniskritische Leistungen, ein besinnliches Versenken in den Tat
bestand des Zusammenlebens, tief genug, daß man es absieht, welcher
Art Erkenntnis überhaupt und wievielerlei Erkenntnisweisen im be
sonderen dort „möglich“ wären, wo das menschliche Zusammenleben
zum Vorwurf wird.
Grundsätzlich steht nichts im Wege, dieses heikle Geschäft als
eine Aufgabe ganz für sich zu besorgen. Das würde sich im Stoffe
und im Ziele, keineswegs im Vorgang, ungefähr damit berühren, wie
Othmar Spann die Soziologie überhaupt auffaßt, als „Analyse des
formalen und materialen Gesellschaftsbegriffes“. Ob hier tatsächlich
eine Fachwissenschaft vorliegt, dazu fällt noch ein Wort. Im übrigen
verbietet sich ein Austrag an dieser Stelle. Nur soviel bringt sich ganz
von selber hier in Erinnerung, daß ich zwar schon die längste Zeit
von Soziologie, niemals aber — oder doch einmal nur in einem ganz
abgesonderten Sinne — von „Gesellschaft“ gesprochen habe, geschweige
von „dem Gesellschaftsbegriff“ 1 Ich spreche immer vom Tatbestand
des menschlichen Zusammenlebens. Das will sagen, ich suche für jenen
Tatbestand, der so wuchtig tatsächlich und auch gedanklich so un
verwechselbar ist wie unser eigenes, ichbejahendes Leben, für diesen
Tatbestand suche ich nach der denkbar harmlosesten, unvorgreiflichsten
Wendung: Zusammenleben, als Dauer im Wechselspiel von Leben zu
Leben der Beteiligten. Man wird es vielleicht herausfühlen, wie dies
nicht eine faule Umschreibung besagt, sondern gleichsam ein Zurück
treten auf festen Grund. Das hierdurch ermöglichte Totschweigen der
„Gesellschaft“ aber ist weder Marotte noch Mache, sondern imperativster
Zwang der richtigen Gedankenführung hier. Selbst wenn man mensch
liches Zusammenleben und Gesellschaft so weit hin gleichsetzt, daß man
„Gesellschaft“ als das Gebilde ansieht, in welchem das Zusammenleben
aufgehoben wäre, so unterläuft hier eine „kategoriale Verschiebung“,
die nicht weniger problematisch ist als der Denkinhalt des Wortes
„Gesellschaft“ selber. Man kann aber doch nicht für den Kampf gegen
die „Herrschaft des Wortes“ plädieren, um die ganze Untersuchung
schließlich und geradeaus in den gähnenden Rachen eines der problema