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Kapitel  IV.  Die  auf  dem  Christentum  beruhenden  Lehren.

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Säule,  die  es  ins  gelobte  Land  führte.  Und  mit  dieser  Hoffnung,  und
diesem  der  Ecclesia  militans  et  triumphans  der  ersten  Jahrhunderte
entlehnten  Glauben,  mit  dieser  ganzen  Auffassung,  die  ein  leidenschaftlicher, ­
  fast  heroischer  Atem  beseelt,  wie  fern  sind  wir  doch  dem  historischen ­
  Materialismus,  und  wie  nahe  jenem  Utopismus,  den  Marx  verhöhnte, ­
  und  den  er  dem  französischen  Sozialismus  so  schneidend  vorwarf! ­
  Gesteht  doch  Sorel  selbst,  daß  „es  selten  einen  Mythus  gegeben
hat,  der  von  jeder  utopistischen  Beimischung  durchaus  frei  war“ 1 ).

Kapitel  IV.
Die  auf  dem  Christentum  beruhenden  Lehren.
Im  Neuen  wie  im  Alten  Testament,  in  den  Verwünschungen  der
Propheten  gegen  die  Händler  und  gegen  die  Landräuber,  in  den  Gleichnissen ­
  Christi,  in  den  Predigten  der  Kirchenväter  über  die  Pflichten  der
Reichen  gegenüber  den  Armen  bis  zu  der  Kanzelrede  Bossuet’s  über  die
»eminente  Würde  der  Armen“,  in  den  In-folios  der  Kanoniker  und  in
der  „Summa“  Thomas’  von  Aquino  —  sind  die  Stellen  unzählbar,  die
wirtschaftliche  und  soziale  Fragen  berühren,  oder  sich  sogar  in  kategorischen ­
  Befehlen  mit  ihnen  befassen.  Viele  von  ihnen  sind  nicht  weniger
heftig  als  die  der  revolutionären  Sozialisten  unserer  Tage l  2 ).
Jedoch  hat  man  erst  in  der  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  christlichsoziale
  Lehren  und  Schulen  mit  einem  festen  Programm  aufkommen
l )  Reflexions  sur  la  violence,  S.  XXXV.  Seit  diese  Zeilen  geschrieben
Wurden,  hat  übrigens  die  furchtbare  Erschütterung  des  Krieges  die  Mythen  in  nichts
Verblasen  und  die  Reihen  aufgelöst.  In  allen  Ländern  hat  der  rechte  Flügel  der  so-2
 .  stischen  Partei  sich  zum  Nationalismus  bekannt,  während  die  linke  versucht  hat,
Ie  Diktatur  des  Proletariats  zu  organisieren.  Auf  der  anderen  Seite  hat  der  Marxismus,
^nk  seinem  deutschen  Ursprung,  die  Rückwirkung  der  Niederlage  zu  tragen.  Karl
ist  während  des  Krieges  oft  als  einer  der  Schuldigen  des  Pangermanismus  angeklagt
  worden.  Man  vergleiche  zur  Widerlegung  dieser  Behauptung  Longuet’s  Buch
»La  politique  internationale  du  Marxisme.“  Was  den  Syndikalismus  betrifft,  so  hat  er,
nach  Überwindung  der  durch  den  Krieg  verursachten  Desorganisation,  einen  erstaunichen
  Aufschwung  genommen:  heute  verlangt  jedermann,  einbegriffen  die  Beamten
ond  Künstler,  die  Aufnahme  in  die  C.  G.  T.  Es  ist  schwer  vorauszusagen,  was  aus  dieser
Gärung  hervorgehen  wird.  Im  übrigen  scheint  der  Syndikalismus  sich  nicht  mehr,
w ! (!  einst,  zu  weigern,  die  Mittel  zu  suchen,  um  eine  Entente,  sei  sie  nun  „cordiale“
ooer  nicht,  zwischen  den  Arbeitern  und  dem  Kapital  herbeizuführen  —  freilich  unter
er  Bedingung,  daß  die  Arbeit  der  Organisator  sei.
.  2 )  Es  genügt,  darauf  hinzuweisen,  daß  die  ganze  Theorie  des  Wuchers  und  die
lc h  darauf  aufbauende  Gesetzgebung  das  Werk  der  kanonischen  Rechtsgelehrten  ist.
Qi  de  und  Rist,  Geseh.  d.  Volkswirtschaft!.  Lehrmeimmgen.  2.  Aufi.  34
            
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