Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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denen  vertraglich  5,50  Mk.  Schichtlohn  zugesichert  sind.  Die
Dänen  erhalten  ferner  60  Mk.  Reiseentschädigung,  sofern  sie  ein
Vierteljahr  arbeiten.  In  scharfem  Gegensatz  zu  dieser  Noblesse
steht  aber  die  Behandlung  der  einheimischen  Arbeiter.  Klagt
ein  Arbeiter  wegen  zu  geringem  Lohn  —  er  beträgt  selten  über
5  Mark  pro  Schicht,  dann  erklärt  Ingenieur  Steg,  sie  sollten
nur  froh  sein,  daß  sie  nicht  in  die  Schützengräben  brauchten.
Wer  mit  dem  gezahlten  Lohne  unzufrieden  sei,  der  könne  in
14  Tagen  aufhören  —  aus  Dänemark  bekäme  er  Arbeiter  genug.
In  der  Brikettfabrik  Gruhlwerk  wurde  einem  Arbeiter  am  16.  1.
gekündigt,  weil  er  für  die  Sonntagsschicht  einen  Lohnzuschlag
von  60  Proz.  verlangte.  Die  Sonntagsschicht  dauert  von  6  Uhr
morgens  bis  6  Uhr  abends.  Da  in  den  anderen  Schichten  4  Mk.
gezahlt  werden,  ging  also  das  Verlangen  des  Arbeiters  nach
6  Mk.  Sonntagsverdicnst  -  eine  gewiß  bescheidene  Forderung.
Ein  anderer  Arbeiter,  der  sich  zur  Sonntagsarbeit  nicht  zwingen
lassen  wollte,  erhielt  am  23.  Januar  in  derselben  Brikettfabrik
seine  Kündigung.  Mit  dem  Bemerken,  daß  man  noch  hundert
dänische  Arbeiter  heranholen  wolle  und  auch  von  der  Militärbehörde ­
  Kriegsgefangene  bekommen  könne,  wird  jede  Beschwerde
der  Arbeiter  abgewiesen.
Von  Grube  M  a  r  i  a  g  l  ü  ck  in  Briihl  wird  berichtet,  daß
dort  Baracken  gebaut  werden  zur  Unterbringung  von  150
Kriegsgefangenen,  die  als  Arbeiter  verwendet  werden.  Sie  sind
bereits  eingetroffen.  Auf  anderen  Gruben  werden  auch  Gefangene ­
  erwartet.
Aus  dem  Saarrcvier  wird  gemeldet,  daß  die  Schichtlöhne
um  30—40  Pf.  und  die  Gedingelöhne  um  60—80  Pf.  pro  Schicht
gekürzt  sind.
Die  Belegschaft  der  Grube  F  a  u  l  b  a  ch  bei  Laudenbach,
Bergrevicr  Kassel,  berichtet,  daß  der  Schichtlohn  von  3,60  Mk.
auf  3  Mark  herabgesetzt  sei.  Von  diesem  gekürzten  Lohn  hält
die  Verwaltung  den  Arbeitern  für  jede  Zahlungsperiode  den
Betrag  von  1  Mk.  für  die  Kriegsspende  ab.  Die  Arbeiter  sind
gar  nicht  befragt  worden,  ob  sie  etwas  geben  wollten.  Wenn
sich  die  Arbeiter  beschweren,  dann  heißt  es:  „Wem  das  nicht
paßt,  der  kann  gehen!"  Der  Bergmann  Heinrich  Ort,  der  von
seinem  Beschwerderecht  Gebrauch  machte,  wurde  sofort  gekündigt.
Auf  M  ö  n  ch  e  b  e  r  g  in  Ihringshausen  ist  eine  neue  Gedinge--berechnung
  eingeführt,  durch  die  die  Arbeiterlöhne  eine  Kürzung
von  25—100  Pf.  pro  Schicht  erfahren  haben.
Auf  den  Kaliwerken  Roßleben,  Nebra  und
O  r  I  a  s  (Oberbergamtsbezirk  Halle)  erhalten  die  Gedingearbeiter, ­
  wenn  sie  mal  im  Schichtlohn  arbeiten  müssen.  nicht
'  den  Lohn  ihrer  Lohnklasse,  sondern  den  der  nächstniedrigsten
            
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