Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

60  IV.  Das  gemeinschaftliche  Interesse  von  Arbeit  und  Kapital.
zu  beginnen,  bevor  der  Betriebsleiter  Gelegenheit  gehabt,  alles  zu
prüfen,  was  in  dem  betreffenden  Gebiete  geleistet  worden  ist.
Die  Vernachlässigung  dieser  Regel  kostete  uns  Tausende  von
Dollars,  und  das  hat  uns  vorsichtig  gemacht.  Demjenigen  nun,
der  Ehrgeiz  besitzt  und  vielleicht  denkt,  er  habe  eine  Verbesserung ­
  im  Kopfe,  sage  ich:  Hier  in  den  Räumen  dieser  Bücherei)
ist,  oder  wird,  wie  ich  hoffe,  bald  die  Erfahrung  der  ganzen
Welt  über  eben  diesen  Gegenstand  bis  auf  die  jüngste  Zeit  hinunter ­
  sein.  Für  jede  Frage  der  Chemie,  für  jede  Frage  der
Schmelzöfenpraxis  finden  Sie  die  Aufzeichnungen  der  ganzen  Welt
zu  Ihrer  Verfügung;  wenn  Sie  auf  dem  falschen  Wege  sind,  werden
die  Bücher  es  Ihnen  sagen;  befinden  Sie  sich  auf  dem  rechten
Wege,  so  werden  die  Bücher  Ihnen  Mut  machen.  Sie  können  in
dem  Patentamt  zu  Washington  von  einem  Saale  in  den  andern
gehen:  dort  sehen  Sie  Tausende  von  Modellen  für  alle  Gebiete
menschlicher  Tätigkeit.  Aber  99  von  jedem  Hundert  wären  dort
nicht  aufgestellt  worden,  hätte  der  unwissende  Erfinder  die  Gelegenheit ­
  gehabt,  welche  Ihnen  diese  Bücherei  bietet.  Ich  hörte
Arbeitgeber  sagen,  in  der  Bildung  der  Massen  liege  eine  große
Gefahr;  der  einfache  Mann  würde  dann  mit  seinen  nützlichen
und  notwendigen  Beschäftigungen  nicht  mehr  zufrieden  sein.  Ich
habe  mich  wirklich  selbst  bezwingen  müssen,  solche  Grundsätze
mit  Ruhe  anzuhören.  Sie  sind  ganz  und  gar  falsch,  und  ich  widerspreche ­
  ihnen  auf  das  entschiedenste.  Das  Mißverständnis  zwischen ­
  Kapital  und  Arbeit  steht  geradezu  im  direkten  Verhältnis
zur  Unwissenheit  der  Arbeitgeber  und  zur  Unwissenheit  der  Arbeitnehmer. ­
  Je  intelligenter  der  Arbeitgeber,  desto  besser;  je
intelligenter  der  Arbeitnehmer,  desto  besser.  Niemals  hat  Bildung, ­
  niemals  haben  Kenntnisse  Zusammenstöße  herbeigeführt;
immer  war  Unwissenheit  des  einen  oder  beider  Teile  daran  schuld.
Auf  Grund  einer  nicht  unbeträchtlichen  Erfahrung  stelle  ich
hier  fest:  der  Kapitalist  kennt  die  Rechte  und  Ansprüche  des
Arbeiters  nicht,  und  der  Arbeiter  kennt  die  Nöte  und  Gefahren
der  Kapitalisten  nicht.  Darin  liegt  die  wahre  Ursache  aller  zwischen
beiden  aufkommenden  Reibungen.
Eine  intime  Kenntnis  der  Kapitalisten  von  den  guten  Eigenschaften ­
  derer,  die  ihnen  dienen,  und  einige  Kenntnis  von  seiten
            
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