Object: Kaufmanns Herrschgewalt

XVI 
Einleitung. 
sationen vor allem der Arbeiterstand sich zur Wehr setzt, soweit et 
als solcher am meisten durch diese ungeheure Macht in seiner 
menschenwürdigen Existenz sich bedroht sieht. 
Es ist ja richtig, daß trotz der Ausdehnung des Maschinen 
wesens und der damit eng verbundenen Einschränkung des Ge 
brauches menschlicher Arbeitskräfte im allgemeinen die Lebens 
haltung des Arbeiterstandes sich während der letzten 50 Jahre außer 
ordentlich gehoben hat, aber man darf nicht vergessen, daß auch 
die vollkommen berechtigten Ansprüche der Arbeiter für eine mensch 
liche Lebenshaltung, die ihnen in früheren Zeiten nur in sehr ge 
ringem Maße zuteil wurde, gestiegen, d. h. aus Sklaven und halb 
tierischen Wesen Menschen geworden sind. Viele mögen diese 
Entwicklung bedauern, dennoch ist sie Tatsache und muß bei dem 
Verhältnis von Kapital und Arbeit, Unternehmertum und Arbeiter 
schaft voll berücksichtigt werden, wenn die Menschheit nicht in 
absehbarer Zeit ungeheuren und gewalttätigen Umwälzungen ent 
gegensehen soll. 
Dies sind im wesentlichen die Gründe, welche mir Andrew 
Carnegies in den nachfolgenden Seiten entwickelten Ansichten über 
die Zukunft und die Bedeutung der Trusts als außerordentlich ge 
fährlich erscheinen lassen. 
Ich möchte daher den Leser des Buches bitten, die darauf bezüg 
lichen Ausführungen mit möglichst kritischem Blicke zu lesen und 
sich stets vor Augen zu halten, daß auch ein so großes volkswirt 
schaftliches und kaufmännisches Talent, wie Carnegie, in einzelnen 
Punkten zu irren imstande ist. Der volkswirtschaftliche Forscher 
tut gut, Carnegies Behauptungen trotz seiner ungeheuren wunder 
vollen kaufmännischen und organisatorischen Erfolge bedachtsam 
nachzuprüfen. 
In fast allen anderen großen volkswirtschaftlichen Fragen da 
gegen zeugen Carnegies Ausführungen nicht nur von großem prak 
tischen Wissen, sondern auch von weitumfassenden, alles durch 
dringenden volkswirtschaftlichen Ideen. Vor allem verweise ich auf 
des Verfassers scharfsinnige Ausführungen über den Schutzzoll. 
Auch sie müssen für uns Deutsche von ganz besonderem Inter 
esse sein. 
München, im November 1913. 
Dr. E. E. Lehmann.
	        
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