Full text: Ueber Betheiligung der Arbeiter am Unternehmergewinn

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Weigert. 
So scheint mir der Schluß gestattet, daß der Unternehmer-Gewinn 
einerseits als solcher gerechtfertigt ist, andererseits im Verhältniß zum Arbeits 
lohn keine ungehörige Höhe erreicht. 
Halte ich somit einen aus der Theorie herzuleitenden Anspruch der 
Arbeiter auf Theilnahme am Unternehmer-Gewinn für ungerechtfertigt, so 
fragt sich fetzt, ob aus Opportunitätsrücksichten dessen praktische Durchführung 
für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer als wünschenswerth zu erachten ist. Wir leben 
in einem socialen Kriege, so heißt es; Arbeitgeber und -Nehmer stehen sich 
schroff gegenüber, ein Ausgleich, eine Versöhnung ist für die Moralität und 
Existenz der Einzelnen, wie für die Fortentwickelung der Industrie dringend 
nothwendig. Zu diesein Kriege haben die gebildeten, besitzenden Klassen dem 
Arbeiter die Waffen geschmiedet. Sie haben durch Wort und That, in Ver 
sammlungen und Parlamenten ihm die Rechte erobert, deren Besitz ihn heute 
befähigt, sein Jntereffe energisch zu vertreten. Der Unternehmerstand hat kräftig 
mitgeholfen in diesen Bestrebungen. Er hat bei der Einführung der Ge 
werbefreiheit, Freizügigkeit, Coalitionsfreiheit, der Aufhebung der Schulvhaft, 
den freiheitlichen Bestimmungen in der Gewerbe-Ordnung und ähnlichem theils 
direct mitgewirkt, theils den neuen Bestimmungen gern zugestimmt; er hat 
die mannigfachen Auswüchse, welche zu seinem und ganzer Industriezweige 
Schaden durch die zum Theil zu schnell erfolgenden Umwälzungen zu Tage 
treten, als krankhafte Ausschreitungen erkannt, welche die fortschreitende Bil 
dung und Erkenntniß der Arbeiter beseitigen wird, — nicht aber die Rück 
kehr in die alten Verhältnisse erwünscht und erstrebt. Er hat dem Wohler 
gehn der Arbeiter pecuniäre und geistige Opfer gebracht, den Bau von 
Arbeiterwohnungen, die Einrichtung von Kranken-, Invaliden- und Unter- 
stützungskassen in die Hand genommen, für gesunde Beschaffenheit der Fabrik 
räume Sorge getragen. Unsere modernen Fabriken bieten dem Arbeiter einen 
Aufenthalt, wie ihn unsere Beamten in ihren Büreauzimmern, unsere 
Professoren in ihren Auditorien nur selten finden. Unter allen Ständen er 
hält sich der Industrielle vermöge seiner Beschäftigung am längsten den 
Idealismus. Der Landwirth producirt gegebene Dinge, auf deren Heroor- 
bringung ihm die Elemente nur geringen Einfluß gestatten; — der Kauf 
mann erzeugt Werthe aus vorhandenen Stoffen, meistens durch räumliche 
Uebertragung, — der Industrielle bringt aus unscheinbaren Keimen unzählige 
neue Gegenstände hervor durch eigene Schöpferkraft. Und diese seine Stellung 
im Gewerbeleben, die seinen Character bildet, hat der Industrielle nur selten 
vergessen; er wird, trotzdem der Krieg nicht durch seine Schuld entbrannt ist, 
dennoch gern die Hand zu seiner Beilegung bieten und den Frieden mit 
'Opfern erkaufen. Allerdings appellirt man ein wenig stark an seinen 
Jdealisinus! 
Man nennt ihn den modernen Sklavenhalter und Zwingherrn, seine 
Fabriken einen Verderb für Gesundheit und Sittlichkeit der Arbeiter, sein 
Jndustriesystem den Ruin für die gedeihliche Entwickelung des Menschenge 
schlechts! So klagt man ihn an, nicht nur in aufgeregter Volksversammlung, 
sondern in wissenschaftlichen Schriften und vom Katheder. Und von diesem
	        
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