Full text : Die Handelspolitik und Handelsbilanz Österreich-Ungarns

2

Richard  Schüller.

dies  nur  mit  Vorbehalt  unternehmen;  denn  es  wird  eben  erst
mit  der  Sammlung  der  Beobachtungen  und  Materialien  begonnen.
1.
Eine  Reihe  unserer  Produktionszweige  hat  sich  unter  dem
ihnen  gewährten  höheren  Zollschutz  vergrößert.  Die  Ölindustrie
hat  im  Jahre  1900  755.000  Meterzentner,  im  Jahre  1910  1,994.000
Meterzentner  ausländische  Ölsämereien  verarbeitet.  Der  Import
von  Kakaobohnen  zur  Erzeugung  von  Kakao  und  Schokolade  ist
von  15.000  auf  50.000  Meterzentner  gestiegen.  Die  Baumwollspinnereien ­
  und  -Webereien  haben  im  Jahre  1900  U2  Millionen,
im  Jahre  1910  l - 86  Millionen  Meterzentner  Baumwolle  verarbeitet.
Die  Entwicklung  dieser  Industrie  ist  dem  Bedarf  vorausgeeilt,
so  daß  sich  Betriebsreduktionen  als  notwendig  erwiesen;  dessenungeachtet ­
  ist  eine  sehr  bedeutende  Zunahme  der  Produktion
eingetreten,  die  durch  den  Zollschutz  gefördert  wurde.  Es  sind
ferner  zahlreiche  neue  Spitzenfabriken  entstanden;  einer  der  Betriebe ­
  zählt  zu  den  größten  des  Kontinentes.  Zugenommen  hat
auch  die  inländische  Erzeugung  mehrerer  Papiersorten  und  Papierwaren, ­
  der  graphischen  Gewerbe,  die  Produktion  von  Pinseln,
Tafelglas,  manchen  chemischen  Produkten,  Lokomobilen,  elektrischen ­
  und  anderen  Maschinen,  Messerschmiedwaren,  Feuerwaffen, ­
  Automobilen.  Unter  den  landwirtschaftlichen  Produktionszweigen ­
  hat  sich  der  Weinbau,  die  Schweine-  und  Geflügelzucht
günstig  entwickelt.  Durch  die  neuen  Handelsverträge  sind  ferner
wichtige  Ausfuhrmöglichkeiten,  die  von  den  ausländischen  Zolltarifen ­
  bedroht  waren,  gewahrt  worden;  so  für  Rohholz  und
Sägeware,  Obst  und  Gemüse;  dann  für  Kleidungen  und  Wäsche,
Glaswaren,  Gablonzer  Artikel,  Bugholzmöbel,  Emailgeschirr,  Sensen ­
  usf.  Die  hervorragenden  Staatsmänner,  die  diese  schwierigen
Arbeiten  vollbrachten,  haben  sich  um  zahlreiche  Produktionszweige
große  Verdienste  erworben.
In  vielen  wichtigen  Beziehungen  aber,  bei  deren  handelspolitischer ­
  Regelung  das  Beispiel  des  Auslandes  und  politische  Verhältnisse ­
  Österreichs  und  Ungarns  maßgebend  waren,  machen  sich
ungünstige  Wirkungen  immer  empfindlicher  geltend.  Das  politische
Programm  der  letzten  handelspolitischen  Kampagne  war  in  großen
Zügen  bekanntlich  folgendes:  Erhöhung  des  Agrarschutzes,  mög-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.