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Richard Schüller.
treidepreise und der steigenden Tendenz der Löhne hat die Getreideproduktion
bei uns wie in Deutschland und anderen Staaten
nicht abgenommen, sondern sie ist gewachsen. Um dies zu erklären,
muß in Betracht gezogen werden, daß die Gestehungskosten
— Produktions- und Frachtkosten — des Getreides innerhalb
Österreich-Ungams ganz verschieden sind. Die Frachtkosten
sind in den letzten Jahrzehnten durch den Ausbau der Eisenbahnen
und die Ermäßigung der Frachtsätze sehr gefallen. Während
früher das Getreide vieler Gegenden nur nach langen Transporten
durch Fuhrwerke zu den Konsumplätzen gebracht werden konnte,
hat der sich rasch ausdehnende Bahnverkehr die Frachtkosten
für immer weitere Gebiete verringert, so daß die „größten Kosten“,
mit denen das Getreide 'auf die Märkte kommt, wesentlich gesunken
sind. Hiedurch wurde der intensivere Getreidebau, ungeachtet
der niedrigeren Preise, in Gebieten rentabel, in denen
er vorher infolge der Transportverhältnisse auch bei höheren
Preisen nicht möglich war. In der gleichen Richtung wirkte die
Ausbreitung der technischen Fortschritte der Landwirtschaft, die
Verwendung künstlichen Düngers und landwirtschaftlicher Maschinen
und Apparate. Für einen großen Teil der Getreideproduktion
sind die Gestehungskosten aus den angeführten Gründen
viel geringer geworden; nur so ist es zu verstehen, daß die
Intensität des Getreidebaues in der Periode 1870/1900 beträchtlich
zunehmen konnte.
Diese Entwicklung hat auch seit 1900 angedauert. Die Getreideproduktion
Österreich-Ungarns stieg seit den Siebziegerjahren
von Jahrzehnt zu Jahrzehnt um 40, dann um 19, im letzten Dezennium
um 29 Millionen Meterzentner, wobei der Umstand zu berücksichtigen
ist, daß die Ernten auch im Durchschnitt eines Jahrzehnts
nicht gleichmäßig ausfallen. Doch selbst wenn unsere Getreideproduktion
in den letzten Jahren in rascherem Tempo als
früher zugenommen hätte, wäre hiefür eine genügende Veranlassung
dadurch gegeben, daß der Weltmarktpreis des Getreides seit dem
Beginn des neuen Jahrhunderts gestiegen ist. Der Preis eines Meterzentners
Weizen in Chicago war durchschnittlich in den Achtzigerjahren
16 - 80 Kronen, in den Neuzigerjahren 14, von 1900 bis 1904
15'20, von 1905 bis 1910 17 80 Kronen. Der inländische Preis würde
jetzt, auch wenn wir die früheren niedrigeren Getreidezölle hätten,