Full text : Die Handelspolitik und Handelsbilanz Österreich-Ungarns

Die  Handelspolitik  und  Handelsbilanz  Österreich-Ungarns.

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in  der  Regel  um  mehr  als  3  Kronen  über  dem  Marktpreis  stehen.  Daß
die  weitere  Erhöhung  der  Zölle  um  3  Kronen  fürWeizen,  2 1 / g  Kronen ­
  für  Roggen  usw.  erforderlich  gewesen  sei,  um  die  ungefähr
in  dem  Tempo  der  früheren  Jahrzehnte  fortschreitende  Entwicklung ­
  unserer  Getreideproduktion  zu  ermöglichen,  könnte  nicht
begründet,  geschweige  denn  bewiesen  werden.
Die  Viehzählung  des  Jahres  1910  hat  ergeben,  daß  sich
die  Zahl  der  Rinder  seit  dem  Jahre  1900  um  351.000  Stück  verringert, ­
  die  Zahl  der  Schweine  um  1'7  Millionen  Stück  vergrößert ­
  hat.  Neben  der  Zahl  ist  auch  die  Qualität  der  Tiere  zu
berücksichtigen;  im  Parlamente  wurde  dargelegt,  daß  insbesondere ­
  die  Ochsen  östlicher  Provenienz  im  Gewicht  eine  Zunahme
zeigen.  Es  ist  auch  darauf  hingewiesen  worden,  daß  die  Viehzählung ­
  in  einem  ungeeigneten  Momente  stattgefunden  habe,
Futternot  und  Seuchen  gerade  in  den  letzten  Jahren  die  Viehzucht
schädigten,  und  daß  ferner  schon  im  Jahre  1902  eine  Verminderung ­
  der  Rinderzahl  um  500.000  Stück  festgestellt  wurde,  so  daß
der  Viehstand  inzwischen  wieder  etwas  gestiegen  sei.  Der  Viehstand ­
  Österreichs  betrug:

1880

1890

1900

1910

Millionen

Stuck

Hornvieh

86

8’6

9-5

916

Schweine

27

3-5

4-7

6-4

Schafe

38

3-1

26

2-4

Ziegen

10

10

10

1*2

Pferde

1-5

1-5

1'7

1-8

Unser  Rindviehstand  weist  seit  30  Jahren  eine  nur  geringe
Zunahme  auf;  das  Ergebnis  der  letzten  Zählung  kann  daher  in
der  Hauptsache  nicht  auf  Zufälle  zurückgeführt  werden.  Die  ungleiche ­
  Entwicklung  der  einzelnen  Viehgattungen  ist  in  den  landwirtschaftlichen ­
  Verhältnissen  begründet.  Die  Zahl  der  Schafe
geht  konstant  zurück,  weil  es  an  Schaf  weiden  fehlt;  die  Zahl
der  Schweine  dagegen  wächst  rasch,  weil  sie,  im  Gegensatz  zur
Rindviehhaltung,  nicht  auf  den  Ankauf  von  Einstellvieh  angewiesen ­
  ist  und,  dank  der  weitgehenden  Verwendung  von  Abfallprodukten ­
  zur  Schweinefütterung,  viel  weniger  als  die  Rindviehzucht ­
  vom  Anbau  und  der  Ernte  der  Futtermittel  abhängt.  Die
Verteuerung  des  Futtergetreides  durch  die  erhöhten  Zölle  mußte
der  Entwicklung  unserer  Viehzucht  entgegen  wirken.  Wir  sind  da
            
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