Full text : Die Handelspolitik und Handelsbilanz Österreich-Ungarns

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Richard  Schüller.

noch  über  das  deutsche  Beispiel  hinausgegangen;  Futtergerste
wird  in  Deutschland  mit  1'30  Mark,  in  Österreich-Ungarn  mit
2’80  Kronen  verzollt.  Für  Ungarn  sind  seit  dem  Jahre  1895  keine
Daten  über  den  Viehstand  veröffentlicht  worden;  doch  kann  aus
seinem  geringeren  Viehexport  geschlossen  werden,  daß  die  Rindviehzucht ­
  sich  nicht  sehr  vergrößert  hat.  Zuerst  hat  die  Ausfuhr
Ungarns  nach  Deutschland  abgenommen;  jetzt  sinken  auch  die
Viehsendungen  nach  Österreich,  die  heuer  bis  zum  1.  November
um  fast  150.000  Stück  geringer  waren  als  zur  gleichen  Zeit  des
Vorjahres. 2 )
Unsere  Handelsverträge  wurden  sehr  wesentlich  dadurch
beeinflußt,  daß  wir  die  Einfuhr  von  Agrarprodukten  erschwerten
und  ihre  Ausfuhr  zu  sichern  suchten.  Die  im  italienischen  Vertrag ­
  durchgeführte  Erhöhung  des  Weinzolles  von  7'62  Kronen
auf  60  Kronen  —  Beseitigung  der  Weinzollklausel  —  hatte  zur
Folge,  daß  im  übrigen  die  alten  Vertragssätze  für  industrielle  Produkte ­
  wieder  an  Italien  gewährt  werden  mußten.  In  den  Verträgen ­
  mit  den  Balkanstaaten  war  die  Frage  der  Vieheinfuhr
am  meisten  umstritten.  Aus  Serbien  wurden  in  den  Jahren  1896
bis  1905  durchschnittlich  56.000  Rinder  jährlich  importiert.  Im
Vertrage  vom  Jahre  1908  wurde  ein  Kontingent  von  35.000  geschlachteten ­
  Rindern  und  70.000  Schweinen,  im  Vertrage  vom
Jahre  1910  ein  solches  von  15.000  Rindern  und  50.000  Schweinen
festgestellt,  nachdem  inzwischen  Rumänien  gleichfalls  Kontingente
eingeräumt  worden  waren.  In  letzter  Zeit  ist  die  Bewilligung  zur
Einfuhr  von  50.000  Rindern  und  einer  größeren  Zahl  von  Schweinen
aus  Serbien  gewährt  worden,  allerdings  zu  dem  autonomen  Zolle.
Dieses  Zugeständnis  hätte  in  einem  früheren  Zeitpunkt  zur  Erlangung ­
  von  Kompensationen  im  Handelsvertrag  verwendet  werden
können.  Unsere  Ausfuhr  von  Rindvieh  spielte  im  Vertrage  mit  dem
Deutschen  Reiche  eine  sehr  große  Rolle.  Die  Erhaltung  dieser
Exportmöglichkeit  durch  die  Viehseuchenkonvention  und  durch
die  im  Vertrage  enthaltenen  Bestimmungen  über  den  Vieh  verkehr
bildete  eines  der  wichtigsten  Zugeständnisse,  das  wir  von  Deutschland ­
  erhielten.  Vor  dem  Jahre  1906  exportierten  wir  durchschnitt-2
 )  Im  deutschen  Reiche  wurden  im  Jahre  1907  gezählt,  im  Vergleiche  mit
dem  Jahre  1895:  19'98  (+  2-94)  Millionen  Rinder,  18’87  (+  530)  Millionen
Schweine,  3’65  (+  0'5)  Millionen  Ziegen,  892  (—  3  67)  Millionen  Schafe.
            
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