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L32 Die Auflösung der scholastischen Logik, — Petrus Ramus,
zuerst tritt uns ein Beispiel dafür entgegen, wie die unendliche
Mannigfaltigkeit der Dinge sich im Denken genau und
harmonisch abbilden und wiedergeben lässt; hier zuerst erfassen
wir daher auch das Wesen des eigenen Geistes und die unver-
brüchlichen Gesetze des Urteilens. Erst nachdem dieser
Schritt getan, werden wir auch in den physischen Objekten
die Spuren einer höheren und geistigen Wahrheit zu entdecken
und ihren inneren Zweckzusammenhang zu verstehen vermögen.
Psychologie und Physik bereiten uns sodann, in ihrer Gesamt-
heit, zum tieferen Verständnis des Mathematischen. vor,
durch das wir die Prinzipien der Naturdinge erst im helleren
Lichte erblicken und von den Schattenbildern selbst zu ihren
Ursachen fortschreiten. So dient insbesondere die Arithmetik
nicht nur, die Fülle der Gegenstände zu gliedern und zu be-
herrschen, sondern ist vor allem das Werkzeug, den Geist zu
schärfen und ihn der Erkenntnis seiner göttlichen Wesenheit
näher zu bringen. „Auf welchem anderen Wege gelangen wir
mitten in der Illusion des sterblichen Daseins, die uns umfängt,
zu tieferer Einsicht in die Beschaffenheit und Lage unserer un-
sterblichen Natur? Beklagen wir es, dass der Blick des Men-
schen durch das Dunkel, mit dem ihn der Körper umschliesst, ge-
trübt ist: die Mathematik schafft ihm Klarheit und Licht, sodass
er die unabsehbare Vielheit der Dinge nach Zahl und Be-
schaffenheit zu unterscheiden vermag. Jammern wir darüber,
dass der Mensch in die engen Schranken des Körpers, wie in ein
Gefängnis gebannt sei: die Mathematik befreit ihn und macht
den Menschen grösser als das ganze Weltall, sodass er, der
nicht den millionsten Teil eines Punktes von ihm ausmacht, es
in seiner Gesamtheit und mit Augen, die weiter reichen als es
selbst, anschaut... Sie ist es, die ihn in sein ursprüngliches, väter-
liches Erbe einsetzt und die ihm die Urkunden dieses köstlichen
Besitzes nicht nur deutet, sondern die sie beglaubigt und auf ihren
göttlichen Ursprung zurückleitet. Beklagen wir den Menschen,
dass er durch die Gewalt und den Sturm der Leidenschaften
ziellos hin und hergeworfen werde: die Mathematik schafft ihm
die Ruhe des Gemüts, sie löst die widerstrebenden Bewegungen
der Seele harmonisch auf und führt sie, unter der Herrschaft der
Vernunft, zur Eintracht und zum Zusammenklang. „Quam coeleste,