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1. Abschnitt:
Ausgliederung und Vorrang.
Das Wesen der Ausgliederung ist nach dem Satze zu
verstehen: „Das Ganze ist vor den Gliedern", ein uralter
Satz, der schon platonisch-aristotelisches Lehrgut ist und sich
auch in den indischen Upanischaden findet. Aus ihm folgt
auch: daß das Ganze an sich (als solches) nicht erscheint (gleich
sam im V or-Dasein bleibt), sondern in den Gliedern zur Dar
stellung, zum Da-Sein gelangt. Darum kann man die „Volks
wirtschaft" an sich (sie selbst als solche) ebensowenig sehen und
greifen wie den Eichbaum an sich oder den menschlichen Or
ganismus an sich. Wo wir auch die Volkswirtschaft suchen, wir
finden sie „selber", wir finden sie „als solche" oder „an sich" nicht,
wir stoßen überall auf bestimmte Wirtschafter, auf Unternehmer
und Arbeiter, auf Konkret-Einzelne, die aber — und das ist das
Entscheidende — nichts Selbständiges (Autarkes) sind, d. h. das,
was sie sind, nicht von sich aus sein können; sondern
wir stoßen stets auf solche Einzelne, die lediglich als Glieder
der Volkswirtschaft bestehen, die lediglich in ihrer Gliedhaftig-
keit Bestand finden. Ebensowenig kann ich auch den Staat
„an sich" handgreiflich finden, ich finde immer nur seine Organe,
den König, die Abgeordneten, die Bürger. Ebensowenig end
lich kann ich je den menschlichen Organismus „an sich" er
greifen, wo ich hingreife, ergreife ich ein Organ, z. B. Hand,
Arm, Muskeln usw. (ich kann zwar den ganzen Körper, d. h.
ich kann alle Organe sehen, aber den Organismus „an sich"
nicht); ebensowenig kann ich die Eiche je ergreifen, ich kann
immer nur ihre Organe ergreifen, die Rinde, die Blätter,
die Blüten usf. Aber diese Organe sind alle durch und durch
eichene Organe — in ihnen stellt sich die Eiche dar; gleich
wie jene Wirtschafter durch und durch wirtschaftliche Organe