Full text: Ernährungswirtschaftliche Gegenwartsprobleme in Österreich

Kontrolle, die streng gehandhabt wird, sei es möglich, die Einfuhr 
auf den wirklichen Bedarf einzustellen und gegen das Hcreinsirömen 
iiberflüssiger Artikel einen Wall zu erzielen. 
Diese Ansicht ist meiner Meinung nach auch für uns geltend. 
Auch die Einräumung eines großen Lebensmittelkredites durch die 
Entente, wie überhaupt durch die Einräumung von Kredite» wird das 
Hanptübel, nämlich das krasse Mißverhältnis zwischen Ein- und Aus 
fuhr nicht ans der Welt geschaffen. Die Tatsache, daß man auf die 
Dauer aus deni Auslande nur so viel Ware erhalten kann, als man 
mit Werten bezahlen kann, ist nicht hinwegzuschaffen, ob nun diese 
Bezahlung in bar erfolgen muß, oder ob Kredite, die ja doch einmal 
bezahlt werden müssen, erhältlich sind. 
Wir predigen immer Arbeit und Sparsamkeit, wir klagen über 
unsere elende Situation — wir ziehen aber nicht die Konsequenzen. 
Auch, die Forderung nach unbeschränkter Freigabe des Verkehres und 
der Einfuhr ist ein solcher Ausfluß der Leichtlebigkeit oder einseitiger 
Interessen. Diejenigen, die dem entgegentreten, werden verdächtigt oder 
zumindest als verbohrte Bürokraten bezeichnet — es ist eben das Gegen- 
den-Stromschwimmen immer schwerer gewesen, als sich treiben lassen. 
Und da darf ich ivohl einen Mann zitieren, der auch gegen den 
Strom geschwommen ist, Friedrich List, der cm einer Stelle seiner 
Schriften sagt: „Den Ansprüchen des Handels auf ganz freie Bewegung 
stattzugeben, ist eine natürliche Folge derjenigen Theorie, die überall 
nur die Werte im Auge hat, nirgends die Kräfte berücksichtigt und die 
ganze Welt mir als eine einzige und unteilbare Republik der Kauf 
leute betrachtet" und „es ist klar, daß das Interesse des einzelnen 
Kaufmannes und das Interesse deS Handels einer ganzen Nation 
himmelweit verschiedene Dinge sind." 
Eine gewisse staatliche Einflußnahme aus die Einfuhr erweist sich 
unter den gegenwärtigen Verhältnissen auch ans dem Gesichtspunkte der 
Rücksichtnahme auf unsere Produktion als richtig. Auch auf dem Gebiete 
der Nahrungsmittel wird es notwendig sein, tunlichst Rohstoffe und 
nicht Ferrigfabrikate, also woniöglich Getreide und nicht Mehl, Fett 
stoffe und nicht fertiges Fett, zu beziehen. Dies ist sowohl zweckmäßig 
im Interesse der ökonomischen Verwendung, unserer Mittel, als im 
Interesse des Wiederaufbaues unserer Arbeit, als auch endlich und 
schließlich im Interesse einer besseren Preisgestaltung. In allen diesen 
Richtungen kann nur durch eine entsprechende Handhabung der Kontrolle 
bezüglich der Einfuhr ein einheitliches Vorgehen geschaffen werden.
	        
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