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der Arbeitskräfte. Folglich drückt das Regime der Arbeitspflicht
und der staatlichen Verteilung der Arbeitskräfte bei der Diktatur
des Proletariats schon einen verhältnismäßig hohen Organisa
tionsgrad des ganzen Apparates und der Stabilität der prole
tarischen Macht überhaupt aus.*)
Beim kapitalistischen Regime wurde der Zwang verteidigt
im Namen der „Interessen der Gesamtheit“, während es sich in
Wirklichkeit um die Interessen der kapitalistischen Gruppen
handelte. Unter der proletarischen Diktatur ist der Zwang zum
erstenmal wirklich das Werkzeug der Majorität im Interesse
dieser Majorität.
Das Proletariat als Klasse ist die einzige Klasse, der im
großen und ganzen Besitzvorurteile fremd sind. Aber das Prole
tariat muß Seite an Seite mit dem mitunter sehr zahlreichen
Bauerntum wirken. Wenn die Großbauern aktiv gegen die Maß
nahmen der proletarischen Diktatur kämpfen, so muß die „kon
zentrierte Gewalt“ des Proletariats sich gegen die Vendee der
Bauern energisch zur Wehr setzen. Aber die Massen des mitt
leren und manchmal sogar armen Bauerntums schwanken be
ständig, bald geleitet vom Haß gegen die kapitalistische Aus
beutung seitens der Großgrundbesitzer, einem Haß, der sie in die
Arme des Kommunismus treibt, bald geleitet vom Gefühl des
Eigentümers (und folglich zur Zeit der Hungersnot auch dem des
Schleichhändlers), das sie in die Arme der Reaktion treibt. Das
letztere äußert sich in dem Widerstand gegen das staatliche
Getreidemonopol und im Streben nach dem freien Handel, der
Spekulation ist, sowie zur Spekulation, die freier Handel ist; im
*) Das Gezeter der russischen Menschewiki gegen den Zwang in der
Aera der proletarischen Diktatur ist genau dasselbe wie das Geschrei
der Kapitalisten gegen die Vergewaltigung der Freiheit der Arbeit durch die
Gewerkschaften, die während eines Streiks Streikposten aufstellen und die
Kapitalisten hindern, Streikbrecher zu verwenden. Bekanntlich begeht die
Kapitalistenclique die ärgsten Gemeinheiten gerade unter der Losung des
Schutzes der Arbeitsfreiheit.