Sieg der kirchlichen Ideen über Papsttum u. Kaisertum zugleich. 411
erhob Heinrich der Löwe, der norddeutsche Welf, alte Ansprüche
auf Baiern; von neuem begann der Kampf mit der welfischen
Hydra.
Da ist König Konrad am 15. Februar 1152 zu Bamberg
gestorben.
Das deutsche Königtum stand jetzt unzweifelhaft an einem
Scheideweg seiner Geschicke. Indem es sich dem religiösen Ge—
danken des zweiten Kreuzzuges unterworfen hatte, hatte es den
Rest seiner Kräfte in unglücklichen Unternehmungen der Ferne
vergeudet, Italien verloren und die Heimat zum Schauplatz
fürstlicher Umtriebe herabgewürdigt. Eine Anderung dieser
Lage schien nur denkbar bei starker Emanzipation des Staates
und des Volkes vom religiösen Gedanken. Und schon mehrten
sich die Anzeichen einer solchen Wendung. Der Kampf mit dem
Papsttum war einstweilen ausgekämpft, die Kurie besaß keine
führende Stellung mehr in der Entwickelung der religiösen
Strömungen des Abendlandes, und ihre politische Bedeutung
war erschüttert. So störte keine äußere Einmischung den Vor—
gang einer tiefen Wandlung des Volkes. Ausgehend von ge—
waltigen materiellen und sozialen Revolutionen entstand ein
neues Zeitalter nationalen Geisteslebens, dessen Charakter nicht
mehr in erster Linie abhängig war von neuen Entwickelungen
christlicher Frömmigkeit, sondern einen laienhaften Zug trug.
Dies Zeitalter kommt empor und steht in seinen Anfangs—
erscheinungen sichtlich gefestet da um die Mitte des 12. Jahr—
hunderts; und sein erster Held ist der zweite Staufer auf
deutschem Throne, Friedrich der Rotbart.