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L Die Grundurteile der Politik.
aus eigenem Erlebnis, kennt, überflüssig. Negativ aber
sieht man an dem Versagen der Organisation bei der
Lebensmittelversorgung, wo es nicht gelang, Erzeuger,
Vermittler, Verkäufer und Verbraucher genügend in
den Dienst der Sache zu stellen, wie nötig Disziplin
zum Blühen von Organisationen ist.
Freiheit ist ein unklarer Begriff und dazu noch ein
im Grunde negativer, der einer lveiteren Bestimmung
bedarf, wovon man eigentlich frei sein will oder kann.
Will man ihn wertvoll theoretisch benützen, so muß man
suchen, ihm einen positiven Inhalt zu geben, wenn er
auch nicht auf alle Anwendungen dieses wandlungs
fähigen Schlagwortes paßt. Ich finde, es ist der objek
tivierende Ausdruck für das menschliche Ich, die Per
sönlichkeit, oder den Willen; also eine Ausstrahlung des
Ich, Betätigung der Persönlichkeit, Raum für den
Willen. Kann der Mensch sich irgendwie wollend betä
tigen, so fühlt er sich frei; zwar nicht unbedingt und
unbegrenzt, aber doch in irgend einer Beziehung.
Völlig unfrei ist etwa der Gefangene in Einzelhaft
oder der Schwerkranke; es bleibt kaum ein Spielraum
für seinen Willen und auch seine Betätigung ist ihm vom
Aufseher oder Arzt genau vorgeschrieben. Politisch
jedenfalls hat Freiheit einen solchen positiven Sinn;
politische Freiheit (was Schiller im Don Carlos „Ge
dankenfreiheit" nannte) ist die Möglichkeit, sich im
Staate handelnd zu betätigen.
Daneben freilich schwingt meist ein anderer Gedanke
mit, besonders beim rhetorischen Gebrauch dieses Zau
berwortes; der völliger Willkür, persönlichsten Be
liebens, populär etwa: tun zu können, „was man mag".
So etwa, wie der Einzelne spazieren gehen kann oder