Full text : Organisation

32

I.  Die  Grundurteile  der  Politik.

ideal  zu.  Zu  diesem  gehört  vieles;  Religion  und  Wissenschaft, ­
  Recht  (Rechtsstaat),  Sprache  und  Sitte,  Kunst
und  edlerer  Lebensgenuß;  unentbehrlich  dafür  sind
Ausdehnung,  Macht  und  Ansehen  (bei  den  anderen)
des  Staates.  Die  Gestaltung  im  einzelnen  ist  nie  rationalistisch ­
  beliebig,  sondern  historisch  bedingt  und  das
Gewordene  stets  konstituierend,  das  ideelle  nur  regulativ ­
  die  Entwicklung  bestimmend  usw.  Zu  solchem
Zweck  sind  offenbar  nicht  alle  Glieder  gleich  wichtig
und  nötig,  ganz  wie  die  Glieder  im  Organismus  auch',
wie  sie  auch  nicht  gleiche  Leistungen  verrichten.  Man
kann  wohl  Hand  oder  Fuß,  nicht  aber  Kopf  oder  Herz
verlieren,  ohne  das  Leben  zu  gefährden.  Es  ergibt  sich
eine  Wertabstufung,  die  bei  einer  Organisation  als
„natürlich"  und  vernünftig  zu  gelten  hat,  deren  Beseitigung ­
  also  nicht  anzustreben  ist,  sondern  ein  Unglück
wäre.  Was  in  einem  Zeitpunkt  an  Wert  bezw.  Wichtigkeit ­
  überragt,  ist  zudem  auch  historisch  bedingt,  je
nachdem  ein  „Kulturteil"  vernachlässigt  wurde  und  in
der  Entwicklung  zurückblieb.
Man  wird  ferner  die  Gedanken  des  Fortschritts
und  der  Entwicklung  „organisch"  auffassen,  das  heißt
als  einen  allmählichen  Ausbau  und  eine  Vervollkommnung ­
  des  Bestehenden.  Kein  Organismus  zeigt  in
seinem  Leben  plötzliche  fundamentale  Umwälzungen;
ist  das  Wachstum  auch  nicht  in  strengem  Sinne  stetig,
sondern  periodisch  und  ruckweise,  so  doch  niemals  in
völlig  anderer  Richtung  oder  anderem  Sinne  als  bisher. ­
  Was  für  den  Organismus  die  Art  und  Anlage,
das  ist  für  den  Staat  völkische  Eigenart  und  historische
Entfaltung;  der  gedeihliche  Fortschritt  zeigt  Perioden,
erfolgt  auch  durchaus  nicht  auf  allen  Gebieten  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.