Full text: Organisation

II. Akratie und Aristagie. 
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Nietzsche Hai sich nie die Mühe genommen, genau zu 
definieren, was er unter Macht versteht, weder prak 
tisch noch theoretisch. Hier wird dagegen im Bereich 
der „Macht" eines Willens über den anderen ein be 
rechtigtes (ethisch wertvolles) von einem unberechtig 
ten (ethisch zu verwerfenden) Moment unterschieden; 
das Kratein ist böse, das Agein gut; auch der Art 
der Wirkungsweise eines Willens kommt eine ethische 
Qualität zu. Man kann auch die Form wählen: die 
Wirkung durch Beispiel und Anführung ohne Gewalt 
steht prinzipiell höher als Unterdrückung des fremden 
Willens, die praktisch nur als notwendiges Übel bleibt. 
Man kann aber auch den Gedanken geschichtlich fas 
sen: mit steigender Kultur wird das Kratein immer 
unnötiger; das Agein kann es niemals werden, so 
lange eine Mehrzahl von Einzelwillen gemeinsame 
Ziele zu lösen berufen ist. Die Entwicklung macht es 
sogar in immer stärkerem Maße notwendig; praktisch 
erleben wir das in der Verwirklichung sozialer Gedanken. 
So hoch auch Rechte und Ansprüche der Ungebil 
deten und Niedrigsten gestiegen sind, eine Führung 
bedürfen sie doch-und gerade diese am meisten, weil 
sic sich nicht selbst helfen können. Aber es kann als ein 
soziales Ideal der Satz aufgestellt werden: alle ein 
zelne Kratie ist aufzuheben; an ihre Stelle tritt aber 
nicht die Erzielung eines phantastisch erträumten „Ge 
samtwillens", sondern die Berücksichtigung und tun 
lichste Ausgleichung aller vorhandenen Willen. Ein 
konsequenter Akralist wird durch die Realität der 
menschlichen Gesellschaft von selbst sozial. 
Diese Verneinung muß nun logischerweise allen For 
men einer Kratie gellen, die sich ergeben können; so
	        
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