fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

Die Frühromantik. 
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schon als objektive Romantik kennen gelernt haben? Es ist eine 
un nicht weniges umgewandelte Welt, in die schließlich ein letzter 
und spätestgeborener Sohn frühromantischer und auch schon 
pätromantischer Empfindung entzückend und geistreich, fromm 
und doch auch wieder heidnisch-national einführt: Moritz von 
Schwind (1804.71). Schwind verfügte kaum über die Farben⸗ 
sattheit Schnorrs, der allmählich wie die Kompositionsweise so 
zuch die Palette der vorraffaelischen Kunst derjenigen Raffaels 
und Michelangelos hatte weichen lassen; in der Komposition macht 
er manchmal den Eindruck des begabten Dilettanten, und sein 
Farbensinn war gering: Zeichnung und Aquarell sowie Fresko 
sagen ihm besser als Olbild. Dabei ist für ihn bezeichnend, daß er 
das mit den Worten ausdrücken konnte: „Die Malerei, der ich 
folge, ist die deutsche, und als Grund derselben die Glasmalerei 
anzunehmen“: die Farbe war ihm sogar hier Nebensache, und 
er liebte nur den besonderen Stil, wie der ihm formell ver— 
wandte Präraffaelismus in England später die Glasmalerei 
wieder zu einer nationalen Kunst gemacht hat. Aber mit 
welcher Zartheit des Empfindens hat der Meister die feineren 
Gestalten seiner zeichnerischen Phantasie erfüllt! Er war das 
Sonntagskind der Romantik: er lebte in der Welt der Geister 
und Elfen, er war daheim auf den taufrischen Wiesen des 
Mondlichts; er glaubte nicht bloß an diese Schönheitswelten, 
er war von ihnen selbst ein Teil. Und diese seine besondere 
Mit⸗- und Umwelt gab er mädchenhaft frisch, wie sie war, 
in keuscher Grazie wieder; holdselig, wie ein mittelalterlicher 
Dichter; in halb ornamentalen Formen namentlich des Pflanz⸗ 
lichen, wie die späten Meister urzeitlicher Ornamentik im Zeit— 
alter der Staufer, dabei sinnlich weich und doch gänzlich fern 
jener schwülen Lusternheit der präraffaelitischen Neuromantiker, 
deren Kunst er noch erlebt hat. So war er namentlich der 
Verkörperer, ja man darf sagen der Zeichner von Stimmungen 
ind wußte mit seiner Kunst selbst musikalische Gefühle an— 
zuregen, hierin seinem Wiener Landsmann Steinle verwandt, 
dessen stärkeres koloristisches Gefühl freilich leichteres Spiel 
Jatte. 
Lamprecht, Deutfche Geschichte. X.
	        
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