Full text: Die Konsumtion

Moderne Wandlungen der Konsumtion. 
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§ 7 
land 5,7%, in den Vereinigten Staaten 9,4% 1 ). Nimmt man die Beeinträchtigung 
namentlich der mütterlichen Arbeitskraft hinzu, so läßt sich überschlagen, in welchem 
Maße die Verkleinerung großstädtischer Familien auch nur um ein Kind den durch 
schnittlichen Verbrauch ceteris paribus gesteigert haben muß 2 3 ). Auch für die Beur 
teilung der modernen Verbrauchszunahme im ganzen ist dieses Mittelglied der Fami 
lienverkleinerung nicht zu übersehen. In Berlin 
standen 
von je lOOOOEinw. 
waren von je 
im Alter von 
lOOOOEinw. 
0—15 J. 
15—60 J. 
über 60 J. 
verheiratet s ) 
1. Dez. 1890 
2742 
6733 
523 
4148 
2. „ 1895 
2664 
* 6776 
557 
4268 
1. „ 1900 
2572 
6828 
593 
4367 
1. „ 1905 
2464 
6896 
634 
4462 
1. „ 1910 
2396 
6905 
697 
4578 
Auf je 1000 Verheiratete usw. entfielen Kinder von 0—15 Jahren: 
in Berlin 
1. Dez. 1890 661 
2. „ 1895 624 
1. „ 1900 589 
1. „ 1905 552 
1. „ 1910 523 
im' Reiche 
879 
831 
Diese von vornherein in Berlin extrem niedrige Belastungsziffer ist also — durch 
Rückgang der Kinderzahl und in kleinerem Umfange allerdings auch durch Vermeh 
rung der alten Leute — in 20 Jahren um mehr als 20% wei ter ermäßigt, und dement 
sprechend für den Mehrkonsum des Individuums Spielraum geschaffen worden. 
Die durchschnittliche Konsumziffer des Reichs mußte schon dadurch gesteigert 
werden, daß die großstädtische Bevölkerung mit ihrer niedrigen Belastungsziffer 
schnell zunahm. Beachtenswert ist die enorme Vermehrung des Alkoholverbrauchs 
in Frankreich 4 * ) in den letzten Menschenaltern zugleich mit dem Siegeszuge des 
Zweikindersystems; ein Seitenstück zur heutigen Abstufung des Alkoholkonsums 
in Deutschland je nach der Kinderzahl 6 ). Man soll jedoch nicht übersehen, daß die 
Verminderung der großstädtischen Kinderzahl zum Teil mit ersparter Kindersterb 
lichkeit parallel geht und insofern als Fortschritt zu begrüßen ist. 
20. Wir kehren nunmehr zu der vorhin verlassenen Frage zurück, ob die durch 
schnittliche Ernährung des deutschen Konsumenten der physiologischen Norm 
entspricht. Selbstverständlich läßt sich bei unserer heutigen Kenntnis die Frage 
nicht beantworten; weder ist die Statistik des Konsums genügend zuverlässig, noch 
hat die Physiologie die Kostmaße der einzelnen Berufe schon ermittelt, noch kennen 
wir das durchschnittliche Körpergewicht und andere für die Ernährung relevante 
Eigenschaften in jeder Berufsart. Nur darum kann es sich handeln, ob schon aus den 
vorhandenen Daten ein Anlaß zur Beunruhigung oder zur Befriedigung zu entneh 
men ist. 
Weder das eine noch das andere trifft zu. Erinnert man sich, daß der von Lich 
tenfeit berechnete Durchschnittskonsum 6 ) bei den Kohlehydraten und namentlich 
beim Fett über Voits großstädtische Norm weit hinausging, so ist diese Ueberschrei- 
tung vermutlich in erster Linie durch den erhöhten Kalorienbedarf unserer schwer 
arbeitenden Landleute bedingt; es wäre auffallend, wenn sie fehlte. Auffallend ist 
höchstens die einseitige Steigerung des Konsums von Fett, dem konzentriertesten 
x ) Nach Bauer im Handwörterbuch d. St. 
2 ) Speziell der städtische Fleischkonsum pro Kopf wird durch sinkende Kinderzahl doppelt 
beeinflußt: erstens, weil Kinder weniger Fleisch essen, und zweitens, weil das freie Einkommen 
mit sinkender Kinderzahl steigt. 
3 ) Mit Einrechnung der Geschiedenen, Eheverlassenen und Verwitweten. 
*) A p e 11, S. 134 f. 
6 ) Oben S. 125. 
6 ) Eiweiß: 115 statt (Voits Norm) 118 g, Fett 90 statt 56 g, Kohlehydrate 549 statt 500 g.
	        
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