Full text : Die Konsumtion

Der  Begriff.

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rechnungen  erschlossen  1 ),  während  die  Erkenntnis  der  geschichtlichen  Wandlungen
der  Konsumtion,  selbst  in  ihren  Grundzügen,  erst  begonnen  hat  2 ).
Eine  psychophysische  Grundlage  der  Konsumtionslehre  haben  Gossen 3 )
und  andere  sub  jektivistische  Theoretiker  der  Wertlehre  zu  konstruieren  unternommen.
Zur  Vorbereitung  der  von  Jevons  geforderten  Konsumtionslehre  hat  der  Amerikaner
Patten  4  * )  1889  einen  bescheidenen,  etwas  willkürlich  subjektiven,  den  Freunden
der  Alkohol-Abstinenz  willkommenen  Anlauf  genommen.  Eine  scharf  pointierende,
psychologisch-kulturgeschichtliche  Skizze  der  Bedürfnislehre  hat  Brentano 6 )
in  knappem  Rahmen  neuerdings  zu  geben  versucht.  Auf  anderem  Blatte  stehen  die
monographischen  Bearbeitungen  einzelner  Konsumtionsgebiete,  wie  Wohnungsfrage ­
  •)  und  Alkoholkonsum  7 ).  Nicht  in  unser  Kapitel  gehören  die  neueren  Studien
auf  dem  Gebiete  der  Theorie  der  Wirtschaftskrisen,  die  aus  einer  Ueberproduktionsimmer
  mehr  zu  einer  Unterkonsumtionstheorie  wird.
Exzerpte  aus  der  Konsumtionslehre  einiger  Theoretiker  hat  Maurice  Block
in  seinem  bekannten  dogmenhistorischen  Lehrbuch  8 )  zusammengestellt;  während
Wirminghaus  in  seiner  Abhandlung  „Die  Lehre  von  der  Konsumtion  und
ihrem  Verhältnis  zur  Produktion“  9 )  den  Versuch  macht,  die  geschichtliche  Entwicklung ­
  der  Ansätze  einer  Konsumtionslehre,  namentlich  in  Deutschland,  übersichtlich ­
  zu  skizzieren.

§  2.  Der  Begriff.
Konsumtion  ist  die  Befriedigung  eines  Bedarfs.  Die  Bedürftigkeit  des  Menschen
ist  der  Grund  alles  Wirtschaftens,  soweit  die  Befriedigung  nicht  durch  Konsumtion
freier  (nicht  wirtschaftlicher)  Güter  geschehen  kann,  wie  durch  Aufnahme  von
Luft  durch  den  Atem.  Konsumtion  wirtschaftlicher  Güter  ist
es  daher,  die  den  Wirtschaftstheoretiker  interessiert,  und  die  allein  im  folgenden
unter  Konsumtion  verstanden  werden  soll.
Der  Bedarf,  der  befriedigt  werden  soll,  ist  in  der  Regel  ein  subjektiv  empfundener,
unter  Umständen  selbst  ein  auf  Irrtum  oder  Torheit  beruhender;  aber  in  vielen  Fällen
auch  ein  subjektiv  nicht  empfundener,  oktroyierter,  so  oft  beim  Kinde,  beim  Patienten, ­
  beim  Untertan.
Objekte  der  Konsumtion  sind  entweder  gegenständliche  Güter  oder  Dienstleistungen. ­
  Beide  dienen  der  Bedarfsbefriedigung,  und  zwar  die  gegenständlichen
] -)  Bibliographische  und  sachliche  Uebersicht  bei  Stephans-Bauer,  Die  Konsumtion
nach  Sozialklassen,  im  Handwörterbuch  der  Staatswissenschaften  VI 3  123  f.;  A  1  b  r  e  c  h  t,
Haushaltungsstatistik,  Berlin  1912;  Eulenburg,  Die  Bedeutung  der  Lebensmittelpreise
für  die  Ernährung,  in  Weyls  Handbuch  der  Hygiene,  2.  Aufl.,  III  1,  1912;  Schiff,  Zur
Methode  und  Technik  der  Haushaltungsstatistik,  in  Brauns  Annalen  für  soziale  Politik  und
Gesetzgebung,  Bd.  3,  1913,  und  in  einer  von  Bauer  S.  145  angekündigten  Zukunftsschrift.
2 )  Hervorzuheben:  Grotjahn,  Ueber  Wandlungen  in  der  Volksernährung,  Leipzig
1902  (Bd.  20,  Heft  2  der  Staats-  und  sozialwissenschaftlichen  Forschungen,  herausgegeben
von  G.  Schmoller);  vgl.  dazu  Max  Weber  in  Schmollers  Jahrbuch  1903,  728  f.  (Rezension)
und  K  e  s  t  n  e  r  ,  Die  Bedeutung  der  Haushaltungsbudgets  für  die  Beurteilung  des  Ernährungsproblems, ­
  im  Archiv  für  Sozialwissenschaft,  Bd.  19  (1904).
Aus  der  physiologischen  und  hygienischen  Literatur  ist  besonders  zu  nennen:  R  u  b  n  e  r,
Lehrbuch  der  Hygiene,  1.  Aufl.  1890  (hier  zitiert  meist  nach  der  7.  Aufl.  1903).  Derselbe:
Hygienisches  von  Stadt  und  Land,  1898.  Derselbe:  Volksernährungsfragen,  1908.  Derselbe:
Wandlungen  in  der  Volksernährung,  1913.  Cohn  heim,  Die  Physiologie  der  Verdauung
und  Ernährung,  1908.
3 )  Entwicklung  der  Gesetze  des  menschlichen  Verkehrs,  1854.
Versuch  einer  Theorie  der  Bedürfnisse.  Abdruck  aus  den  Sitzungsberichten  der  Kgl.
Bayerischen  Akademie  der  Wissenschaften,  München  1908.
*f)  The  consumption  of  wealth.  2.  Aufl.  Philadelphia  1901  (Publikation  der  University
of  Pennsylvania).
6 )  Bibliographie  im  Handwörterbuch  der  Staatswissenschaften  VIII 3  924f.
7 )  Abderhalden,  Bibliographie  der  gesamten  wissenschaftlichen  Literatur  über  den
Alkohol  und  den  Alkoholismus,  Berlin  1904.  A.  Elster,  Der  gegenwärtige  Stand  der  Alkoholfrage ­
  (Jahrbücher  für  Nationalökonomie,  3.  Folge,  Bd.  39  (1910),  S.  509  f.).  Hoppe,
Die  Tatsachen  über  den  Alkohol,  4.  Aufl.,  München  1912.
8 )  Les  progres  de  la  Science  economique  depuis  Adam  Smith,  2.  Aufl.  (1897)  II  522  f.
*)  In  dem  Sammelwerk  „Die  Entwicklung  der  deutschen  Volkswirtschaftslehre  im  19.
Jahrhundert“,  Bd.  I,  Leipzig  1908.
            
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