Full text: Lebenserinnerungen

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das Haus Zirksena zur Würde eines Keichsgrafen 1454 empor. 
Über der graf und spätere Fürst war inehr der erste unter anderen 
als ein souveräner Herr. Die fürstliche Wacht wurde durch die Land- 
stände sehr beschränkt, welche sich nach alter Qrt in QSel, Städte 
und Bauernschaft teilten, so dast auch die Bauernschaft am politischen 
Leben selbständig teilnahm. Linzelne dürsten, vor allem Ldzard der 
groste (1491—1528), haben Bedeutendes geleistet. Über durchgängig 
wardas Leben einunabläfsigerKampfzwischen den dürsten und den 
Ständen, welche gelegentlich eigene Heere aufstellten und auch eigene 
gerichtshöfe befasten. Das fürstliche Haus hat aber dazu gewirkt, 
die Selbständigkeit Ostfrieslands gegen Holland zur wahren. Zu 
Qnfang des 16. Jahrhunderts lag es sehr nahe, dast das Land mit 
Burgund vereinigt wurde und damit die Schicksale Hollands ge 
teilt hätte. Immerhin blieb dauernd bis zum Üussterben des 
Fürstenhauses ein nicht geringer Linflust von Holland. Bis dahin 
hatte Linden, die weitaus gröstke und reichste Stadt des Landes, 
eine holländische garnison. 1744 kam Ostfriesland an preusten. 
Friedrich der groste hat das Land besucht und viel Interesse für den 
Üufschwung des Handels erwiesen, einzelne Ünekdoten von ihm leben 
noch setzt im volksmunde. 1807 fiel Ostfriesland an Holland, 
dann an Frankreich (Napoleon), 1815 wurde es Hannover ein 
verleibt. Den Ostfriesen war dies wenig genehm. Sie erwarteten von 
der grösteren Wacht Preustens mehr Förderung für Handel und 
Schiffahrt, sie hatten sich dort überhaupt wohl gefühlt, ganze Jahr 
zehnte hindurch wurde der geburtstag Friedrich Wilhelms III. in 
kleineren Kreisen gefeiert; es ist charakteristisch, dast auch mein Vater 
in seinem bis 1851 reichenden Notizbuch gewissenhaft den semaligen 
geburtstag Friedrich Wilhelms III. noch lange nach dessen Tode ein 
getragen hat. — Kaum ein einzelnes deutsches Land hat eine so 
entwickelte geschichtliche Forschung, wie Ostfriesland. Schon zu Be 
ginn des 16. Jahrhunderts sind bedeutende Werke darüber erschienen 
und haben Liebe zur friesischen Heimat wie das Bewusttsein einer 
Ligenartigkeit gestärkt. Werkwürdig ist es, dast die friesische Sprache, 
die in der Witte des Witkelalters vollaufherrschte, schon im 16. Jahr 
hundert mehr und mehr zurückgedrängt wurde und nur in den 
Dörfern eine feste Wurzel hatte. Das 17. Jahrhundert brachte dem 
Niederdeutschen die volle Herrschaft. Wanche Bezeichnungen aber 
haben sich in friesischer Form treu gehalten, und eine Fülle von 
eigentümlichen friesischen Ligennamen sind setzt noch im gange 
und Schwange. 
Wenden wir uns näher zu den Linwohnern des Landes, unter 
denen ich aufwuchs. Ligentümlich ist ihnen Lrnst und Festigkeit, 
Tüchtigkeit der Qrbeit, eine groste Widerstandskraft gegenüber 
gefahren, aber auch eine gewisse Kühe und Zurückhaltung, sa
	        
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