Full text: Lebenserinnerungen

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eine peinliche Untersuchung auf ümtsentsetzung des ^vannes ein 
geleitet, die alle Instanzen beschäftigte. Die Osifriesen, welche ihn 
durch die ganze Keihe der Jahre als einen politisch durchaus harm 
losen Mann kannten und seine einzigartigen Verdienste vollauf 
anerkannten, waren erbittert über diese Behandlung ihres hoch 
verehrten Lehrers. Lie haben alles mögliche getan, ihrer Hoch 
schätzung Üusdruck zu geben und haben stch auch mit eindringend 
sten Vorstellungen an die höchsten Behörden gewandt. Lchliestlich 
war das Lrgebnis nicht so schlimm, wie es zu Qnfang dünkte. 
Über Deuter wurde in den Ruhestand versetzt und verlor, soviel 
ich weist, auch einen Teil seiner bescheidenen Linnahme. Dieser 3mll 
ist charakteristisch für die bureaukratische Ürt, die Deutschland wie 
ein dichtes gewebe umsponnen hat. Diese Bureaukratie hat kein 
Üugenmast für grost und klein, sie denkt in starren Lchablonen 
und kann sich in keiner Weise in eine fremde Denkart versetzen 
sowie kein I^echt einer Individualität würdigen. Wir erleben auch 
bis zur gegenwart glanzstücke dessen. Üurich hatte in Deuter 
einen Lehrer von gottes gnaden, der sein ganzes Leben dieser einen 
Lache widmete, ganze generationen hat er gebildet und geistig 
emporgehoben, und nun genügte ein, vielleicht unbesonnenes und 
unkluges Wort, um die Lebenstätigkeit eines solchen Mannes 
schwer zu hemmen. 
Weitere Entwicklung. 
3 »zwischen klärten sich mir auch die Üussichten für meinen 
Lebensweg. Die Lchule habe ich bald und ohne Mühe durch 
gemacht. Die Hauptzeit auster den Lehrstunden konnte ich meinen 
Ürbeiten widmen, die sich zunächst mit den klassischen Lprachen, 
dann aber auch mit philosophischen Werken befastten. Im Lommer 
bin ich regelmästig morgens 5 Uhr aufgestanden, um ungestört 
meine eigenen Lachen zu treiben, vor einer Keihe von Jahren 
fand ein früherer Lchulgenoffe als besonders bemerkenswert an 
mir, ich hätte so gut wie nichts für die Lchule gearbeitet und wäre 
doch an der Lpitze der Klaffe geblieben. In den mittleren Klassen 
hatte ich geradezu einen Ltoffhunger, er trieb mich dazu, ganze 
Bände des Konversations-Lexikons rasch durchzulesen. In meiner 
wissenschaftlichen Bildung trat in erster Linie zunächst die Mathe 
matik hervor. Üls Kind war ich ein hervorragender Kopfrechner; 
später entwickelte sich auch eine ausgesprochene Neigung zur Mathe 
matik. Ich wurde dabei weniger von der geometrie mit ihrer 
anschaulicheren ürt als von der reinen Qlgebra angezogen. Wie 
hier so habe ich überhaupt meine eigene Ünlage von früh an
	        
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