Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

229

Bei  der  retrograden  oder  französischen  Methode  wird  das
Ziel  auf  einem  Umwege  zu  erreichen  gesucht.  Rechnet  man  von  800  RM
für  die  Zeit  vom  30.  April  bis  30.  Juni  die  Zinszahlen,  so  ergibt  dies
8.00x60  —  480.  Man  kann  aber  auch  rechnen:  30.  Juni  rückwärts  bis
31.  Dezember  des  Vorjahres  —  1440  Zinszahlen;  hiervon  für  die  zuviel
berechneten  120  Tage  960  Zinszahlen  abgezogen,  ergibt  480  Zinszahlen.
Bei  der  retrograden  Methode  wird  als  Grundlage  für  den  Verfall  der  einzelnen ­
  Posten  nicht  der  Abschlußtag,  sondern  der  Beginn  der  Kontokorrentperiode ­
  angenommen.  Die  Zinsen  werden  von  jedem  Verfalltage
rückwärts  sretrogradj  bis  zum  frühesten  Verfalltermin  des  Kontokorrents ­
  (Epoche)  gerechnet,  d.  h.  also  auf  den  Beginn  der  Periode  (216=schlußtag
  des  alten  Kontokorrents)  zurückgeführt.  Alle  Kapitalposten  erhalten ­
  durch  Diskontierung  auf  den  frühesten  Verfalltag  den  gleichen
Verfalltag.  Auf  dem  Umweg  über  die  Epoche  strebt  die  retrograde  Methode
schließlich  progressiv  dem  Abschlußtage  zu.  Statt  jeden  einzelnen  Posten  bis
zum  Abschlußtag  zu  verzinsen,  wird  die  einfachere  Art  angewendet:  Verzinsung ­
  des  Kapital  s  a  l  d  o  s  für  die  Zeit  von  der  Epoche  brs  zum  Abschlußtage  *).
Die  Staffelrechnung  oder  englische  Methode  besitzt  den
Vorzug,  daß  man  jeweils  leicht  den  Kontostand  ersehen  kann  und  einen
Überblick  hat,  ob  und  wie  lange  der  Kunde  Debitor  oder  Kreditor  gewesen
ist.  Deswegen  bedient  man  sich  ihrer  besonders  bei  Depositenkonten,  bei
denen  der  Zinsfuß  im  Laufe  der  Rechnungsperiode  Veränderungen  unterworfen ­
  ist.  Aus  den  Debetzahlen  werden  die  Debet-,  aus  den  Kreditzahlen
  die  Kreditzinsen  gerechnet.  Ein  Saldieren  der  Zinszahlen  findet
bei  der  Staffelrechnung,  wenigstens  im  Bankverkehr,  niemals  statt.
Machen  wir  uns  an  der  Hand  der  Staffel  mit  den  Grundzügen  der  Methode
vertraut:  Das  Kontokorrent  beginnt  mit  dem  Saldo  des  per  31.  Dezember  des
Vorjahres  abgeschlossenen  Kontokorrents,  der  10  892  RM  beträgt;  hierzu  kommen ­
  am  3.  Januar  40  RM  und  102  NM.  Das  Guthaben  des  Kunden  beläuft  sich
also  an  diesem  Tage  auf  11  034  RM.  Durch  eine  Gutschrift  von  RM  500.70
nächst  der  Saldo  auf  NM  11  534.70  an.  In  derselben  Weise  wird  bei  jeder
Buchung  im  Debet  oder  Kredit  der  Saldo  gezogen  und  die  Anzahl  der  Tage  von
einem  Posten  bis  zur  nächstfolgenden  Veränderung  des  Kontos  berechnet.
Es  sind  von  RM  10  892.—  vom  31.  Dezember  bis  3.  Januar  3  Tage
„  n  11  034.—  „  3.  Januar  „  5.  „  2  „
..  „  11  534.70  „  5  12.  „  7  „
„  „  14  514.80  „  12.  „  „  25.  Februar  43  „  usw.
J )  Ausführlicheres  hierüber  s.  in  meinem  „Bankgeschäft"  a.  a.  £).,  Band  IS.  239  ff.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.