Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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Für  Banken  ist  die  Anlage  verfügbarer  Gelder  im  Wechseldiskontgeschäft ­
  insofern  sehr  zweckmäßig,  als  bei  der  verschiedenen  Fälligkeit  der
Wechsel  täglich  wieder  Kasseneingänge  erfolgen,  über  die  die  Bank  dann
den  zeitweiligen  Verhältnissen  entsprechend  verfügen  kann.
Die  Reichsbank  macht  den  Ankauf  eines  Wechsels  nicht  allein  von  seiner
Sicherheit  abhängig,  sondern  sie  achtet  auf  den  wirtschaftlichen
Vorgang,  der  in  dem  Wechsel  seinen  Ausdruck  findet.  Die  Wechsel
gehen  nicht  immer  aus  Warenverkäufen  hervor,  dienen  vielmehr  häufig
lediglich  zur  Geldbeschaffung.  Wechsel,  denen  kein  Wirtschaftsgut  zugrunde ­
  liegt,  nennt  man  allgemein  Finanzwechsel.  Rießer
gibt  ihnen  den  Namen  Leerwechsel  und  versteht  darunter  Wechsel,
„deren  Grundlage  keine  gegenwärtige  oder  zukünftige  Produktion  oder
kein  ebensolcher  Absatz  in  Industrie,  Landwirtschaft,  Gewerbe  oder  Handel
bildet,  und  die  auch  nicht  behufs  Mobilisierung  eines  hieraus  oder  aus
einem  sonstigen  Grunde  bereits  bestehenden  Guthabens  gezogen  sind".
Langfristige,  vom  Bankier  oder  der  Bank  auf  eine  andere  Bank  gezogene
Wechsel  dienen  oft  dazu,  fehlendes  Anlagekapital  zu  ersetzen;  sie  sind  daher
als  Leerwechsel  anzusehen.
Auf  unsolider  Basis  aufgebaut  sind  die  Reitwechsel  und  die  Kellerwechsel. ­
  Beide  dienen  zur  unreellen  Kreditbeschaffung.  Beim  Reitwechsel
zieht  der  Aussteller  auf  den  Bezogenen  und  der  Bezogene  auf  den  Aussteiler
  (sie  „reiten  aufeinander  herum"),  und  durch  Diskontierung  der
Wechsel  —  sie  erfolgt,  um  die  Unlauterkeit  der  Wechselziehung  nicht  sofort ­
  erkennen  zu  lassen,  bei  verschiedenen  Banken  —  verschaffen  sich  Aussteller ­
  und  Bezogener  die  gewünschten  Mittel  zu  relativ  niedrigem  Zinssatz.
  Als  Kellerwechsel  bezeichnet  der  Sprachgebrauch  Wechsel,  die
auf  fingierte  oder  völlig  mittellose  Personen  gezogen  sind.  Um  den  wahren ­
  Charakter  zu  verschleiern,  werden  sie  bei  einer  Bank  zahlbar  gemacht,
und  der  Aussteller  schafft  bei  Fälligkeit  die  Deckung  an,  in  deren  Besitz  er
durch  Ausschreibung  und  Diskontierung  eines  neuen  Kellerwechsels  gelangt.
Den  wahren  Charakter  eines  Wechsels  zu  erkennen,  ist  dann  sehr  schwer,
wenn  die  Natur  des  zugrunde  liegenden  Geschäftes  dem  Diskonteur  nicht
bekannt  ist.  Ein  Spinner  z.  B.  bezieht  aus  Amerika  Baumwolle  und
akzeptiert  dagegen;  die  versponnene  Wolle  verkauft  er  nach  14  Tagen  an
eine  Weberei  gegen  deren  Annahme;  die  Weberei  verkauft  die  gewebte
Ware  an  eine  Kattundruckerei  und  zieht  wieder  auf  diese.  Jeder  der  drei
            
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