Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

270

den  oberitalienischen  Geldwechslern  des  späteren  Mittelalters  —  nennt
man  die  Beleihung  von  Wertpapieren,  Waren  oder  anderen  beweglichen
Pfändern,  die  nicht  durch  Pfandleiher,  sondern  durch  Banken  und  Bankiers
erfolgt.  Im  Gegensatz  zum  Diskontgeschäft  ist  beim  Lombardgeschäft  im
allgemeinen  weniger  auf  die  Kreditwürdigkeit  der  Darlehnsuchenden  als
auf  die  Güte  des  Unterpfandes  zu  achten.  Doch  ist  daneben  auch  die  Vermögenslage ­
  des  Pfandgebers  zu  berücksichtigen,  damit  die  Bank  nicht  ausschließlich ­
  auf  das  Pfand  angewiesen  ist.  Vom  Kontokorrentkredit  unterscheidet ­
  sich  der  Lombardkredit  dadurch,  daß  beim  Lombardkredit  nicht  auf
beiden  Seiten  Ansprüche  entstehen,  die  aufzurechnen  sind,  und  daß  es  sich
um  einen  einheitlichen  Kapitalbetrag  handelt.  Die  Beleihungshöhe
ist  nach  Art,  Kurs  oder  Marktpreis  des  Unterpfandes  verschieden.
Der  Zinsfuß  für  Lombarddarlehen  ist  fast  stets  höher  —  bei  der  Deutschen ­
  Reichsbank  in  der  Regel  um  1  %  —  als  der  bei  der  Diskontierung
von  Wechseln  in  Anrechnung  gebrachte  Satz.  Dies  kommt  daher,  daß
Lombarddarlehen  nicht  in  dem  Maße  wie  Wechsel  als  bankmäßige  Deckung
gelten  —  die  Notenbanken  dürfen  Lombardforderungen  nicht  als  Notendeckung ­
  betrachten  —,  und  daß  eine  vorzeitige  Flüssigmachung  des  Darlehns,
  wie  beim  Wechsel,  nicht  möglich  ist.  Weiter  kommt  in  Betracht,  daß
den  Banken  durch  sorgfältige  Aufbewahrung  des  Unterpfandes  sEffekten,
Wechsel,  Waren,  seltener  Edelmetalle)  und  fortlaufende  Kontrolle  des
Wertes  des  Pfandes  eine  größere  Arbeit  erwächst.
„Der  Lombardverkehr  ist  in  der  Regel  nicht  als  Verbindungsglied  des
Prozesses  der  Überleitung  der  Produktion  zur  Konsumtion  anzusehen"
sH  a  r  t  u  n  g).  W  i  l  l  der  Besitzer  nicht  verkaufen,  so  liegt  eine,  möglicherweise ­
  berechtigte,  Spekulation  vor;  kann  er  nicht  verkaufen,  so  übersteigt
augenblicklich  die  Erzeugung  des  Gutes  dessen  Bedarf.  An  Liquidität  steht
also  das  Lombardgeschäft  der  Wechseldiskontierung  erheblich  nach.
d)  Technik  der  Lombardgeschäfte.  Sicherungsübereignung
Können  oder  wollen,  wegen  des  ungünstigen  Preises,  Kaufleute  und
Industrielle  ihre  Waren,  Landwirte  ihr  Getreide  oder  ihre  Wolle  nicht
veräußern,  so  verschaffen  sie  sich  Geld  durch  Lombardierung.  Das
Warenlombardgeschäft  betreibt  aber  wegen  der  damit  verknüpften
Schwierigkeiten  nur  ein  Teil  der  Banken.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.