Full text : Geld-, Bank- und Börsenwesen

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zu  bezahlen.  Wie  anders  jedoch  in  der  Inflationszeit!  Jeder  tauschte  das  Entgelt, ­
  das  er  erhalten  hatte,  meist  schon  nach  wenigen  Minuten  in  Waren  ein,
um  sich  vor  einer  weiteren  Entwertung  des  Geldes  zu  schützen.  Der  Kleinhändler ­
  brachte,  um  neue  Ware  zu  kaufen,  seine  Ladenkasse  jeden  Mittag
zum  Grossisten,  da  am  Nachmittag  die  Preise  schon  wieder  gestiegen  waren.
Ungeheuer  rasch  rollte  das  Geld,  da  es  niemand  bei  sich  behalten  wollte.
Erst  als  mit  Schaffung  der  Rentenmark  das  Vertrauen  zur  Stabilität  der
Mark  wieder  eingetreten  war,  und  niemand  mehr  befürchtete,  er  werde
morgen  oder  übermorgen  für  eine  Ware  oder  Leistung  einen  höheren  Preis
zahlen  müssen  als  heute,  lief  das  Geld  wieder  in  normalem  Tempo  um;
jedermann  hielt  wieder  Kassenbestände.
Ricardo  (1809)  und  John  Stuart  Mill  (1847)  haben  die
Quantitätstheorie  ergänzt  und  mit  der  Produktionsküstentheorie  (s.  unten)
in  Einklang  gebracht.  In  der  Gegenwart  hat  Irving  Fishers  die
Quantitätstheorie  wesentlich  ausgebaut.  Dem  Lehrsatz  der  Quantitätslehre,
der  Preisstand  steige  und  falle  „direkt  proportional"  mit  der  im  Umlauf
befindlichen  Geldmenge,  stimmt  Fisher  mit  der  Einschränkung  zu,  sofern
Umlaufsgeschwindigkeit  und  Handelsvolumen  keine  Änderung  erfahren
haben.  Nach  der  von  ihm  aufgestellten  Gleichung  entsprechen  die  in  Geld
ausgedrückten  Preise  dem  Verhältnis  zwischen  dem  in  Zahlung  genommenen ­
  Bargeld  und  Ersatzgeld  (Buchgeld,  Scheck  usw.)  zu  dem  Umsatz  an
Waren  und  Leistungen.  Diese  Formel  kann  aber  nicht  als  Beweisführung
gelten;  sie  drückt  nur  etwas  Selbstverständliches  aus,  daß  die  Geldeinnahmen ­
  der  Verkäufer  gleich  den  Geldausgaben  der  Käufer  sind.
Die  Quantitätstheorie  mit  ihrer  Verkehrsgleichung  weist  auf  die  Zusammenhänge ­
  zwischen  Geldmengen-  und  Gütermengenveränderungen  hin
und  enthält  einen  wahren  Kern.  Sie  darf  aber  nicht  mechanisch  angewendet
werden.  Das  Zusammenwirken  aller  Faktoren  und  die  Wechselwirkung
der  drei  Grundgrößen  ist  von  wesentlicher  Bedeutung.
Hauptvertreter  der  sog.  „kritischen  Quantitätstheorie"  sind
u.  a.  Gide,  Marshall,  Mises,  Irving  Fisher,  Hawtrey,
K  e  y  n  e  s.
Als  eine  Abart  der  Quantitätstheorie  kann  die  Geldlehre  von  Gustav
Cassel  angesehen  werden,  der  den  Wert  des  Geldes  aus  seiner  Knapp-*)

  Purchasing  Power  of  Money  (1911).
            
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