Full text: Geld-, Bank- und Börsenwesen

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Die Zersplitterung der nationalen Goldreserve, die bei einem Gold- 
münzumlauf erfolgen würde, läßt sich weder wirtschaftlich noch wäh 
rungspolitisch rechtfertigen. Das bei der Zentralnotenbank ruhende Gold 
hat heute in den meisten Ländern nicht mehr die Bestimmung, als Deckung 
und zur Einlösung der umlaufenden Noten zu dienen; es soll vielmehr 
nur die im Zahlungsverkehr zwischen Ländern entstehenden Salden 
(Spitzenbeträge) begleichen. Diese zentrale Goldreserve dient also aus 
schließlich zur Regulierung des Außenwertes der Währung. 
England hatte vom 28. April 1925 bis zum 20. September 1931 eine 
Goldwährung mit dem Münzfuß der Vorkriegszeit, aber die Bank von Eng 
land war nur verpflichtet, an ihrem Hauptsitz Goldbarren im Gewicht 
von mindestens 400 Unzen (12,4 kg), zum Preise von £ 3/17/10V 2 für die 
Unze fein, abzugeben. Am 21. September 1931 erfolgte die Loslösung des 
Pfundes vom Golde; die Goldeinlösungspflicht wurde aufgehoben. Die 
Bank, die in den vorangegangenen drei Monaten 200 Millionen £ Gold 
verloren hatte, wollte ihre Goldreserve, die auf 130 Millionen £ zusammen 
geschmolzen war, erhalten. Die Baissespekulation in englischen Pfunden und 
die Kapitalflucht beschleunigten die Krise. 
Wenige Wochen, nachdem England zum System der schwanken 
den Kurse übergegangen war, gaben Schweden, Norwegen und Dänc- 
niark den Goldstandard *) auf. Indem England vorn Freihandel zum 
Schutzzollsystem überging, verwirklichte es den Gedanken einer Großraum 
wirtschaft. Es entstand der Sterlingblock, dem fast alle Empire- 
Länder und die skandinavischen Staaten beitraten. Mit Abwertung des 
Dollars (April 1933) entstand der D o l l a r b l o ck, dem eine Reihe mittel 
amerikanischer Länder sich anschloß. Etwa zwei Drittel des Welthandels 
entfielen aus die Länder mit abgewerteter Währung. Ihnen gegenüber 
standen die Länder, die eine Devisenbewirtschaftung eingeführt hatten (s. 
diesen Abschnitt), und die Länder mit noch unversehrter Goldwährung. 
*) „Preisgabe des G o l d st a n d a r d s" heißt: Ein Land hat die Gold 
einlösung seiner Banknoten zeitweise aufgehoben mit der Absicht, zur gegebenen 
Zeit eine neue Parität festzusetzen. Preisgabe des Goldstandards kann aber 
auch gleichbedeutend sein mit Devalvation: für die Mark-, Dollar- usw. 
Note wird weniger Gold gegeben als bisher, oder mit D e m o n e t i s i e r u n g: 
Das Gold wird als Währungsgrundlage ausgeschaltet.
	        
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