Object: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Weltanschauung. 
anderer Neuerungen in dem Bereiche ihrer Kunstmittel dahin, 
daß ihre Sprache selbst schon, ganz abgesehen von dem Inhalt 
dessen, was sie ausspricht, eine Sprache der Schwebungen und 
Spannungsgefühle ist; in der bildenden Kunst thun die unver— 
mittelten Farbenzusammensetzungen des Impressionismus dieselbe 
Wirkung; in der Dichtung wird diese ebenso durch eine grund— 
sätzlich impressionistische wie durch eine symbolistische Sprache 
erreicht. Und in den Künsten, die einen unmittelbaren Zu— 
sammenhang ihres Schaffens mit der Natur aufweisen, indem 
sie deren Bildungen oder wenigstens die Analogien dieser Bil— 
dungen nachschaffen, in der bildenden Kunst vor allem, aber auch 
in der Dichtung und hier wieder vornehmlich im Drama, wird 
dasselbe Ergebnis auch schon dadurch hervorgerufen, daß die 
Natur nur eben in ihrer intensivsten Gestalt wiedergegeben wird: 
denn diese Eindrücke intensivster Gestalt im Aufgehen der Ge— 
sichtseindrücke in Farbenmomente, der Handlungswahrnehmungen 
in Handlungsmomente sind fast nur noch nervöse Reizvorgänge 
ohne eindeutigen Vorstellungsinhalt, und bewirken darum Span— 
nungsgefühle und deren Summation, die Schwebung. Und indem 
so alle Darstellungsmittel der modernen Kunst auf die Nerven, 
und auf die Nerven fast allein hinweisen, führen sie zum ersten 
Male grundsätzlich und ausgedehnt in das Gebiet der Phantasie— 
thätigkeit jene merkwürdigen Erscheinungen ein, die zuerst unter 
dem Namen der audition colorée bekannt wurden: die gegen— 
seitige Vertretung der spezifischen Sinneswerkzeuge, das Prickeln 
auf der Haut beim Anhören von Tönen, die Tonassociation bei 
Aufnahme von Farben, kurz die ungewöhnliche Erregung der 
Sinne bei nicht für sie spezifischen Sinnesreizen. Es ist eine 
Kunst, der das Seelenleben nur aus Aktualitäten zu bestehen 
scheint: diese, die ohne Unterlaß aufeinander folgenden Sensa— 
tionen, die Webungen, Wallungen, Spannungen, Schwebungen, 
die kleinsten noch eben erkennbaren und jetzt erst völlig auf— 
gedeckten Momente der psychologischen Kontinuität sind das 
Material ihrer Formgebung. Daher die Wiedergabe der Er— 
scheinungswelt im Flimmer der Impressionen, mag es sich um 
Bildnerei oder Malerei, um Erzählungskunst oder Drama handeln.
	        
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