92
oder Bücher leben, aber man kann nicht ohne Brot leben. Die
Armee kann schlecht beschuht sein, aber sie kann nicht von der
Nahrung des heiligen Antonius existieren. Die Momente, die zur
staatskapitalistischen Organisation trieben, waren also in verschärftem
Grade vorhanden. Und zur selben Zeit war die unmittelbare
Möglichkeit der Rationalisierung der Produktion gerade
besonders schwach.
Wie wurde diese Aufgabe vom Kapitalismus gelöst?
Auf zweierlei Art; erstens durch Verstaatlichung eines
Teiles der großen Produktionseinheiten; zweitens durch indirekte
Regulierung des Produktionsprozesses durch den Zirkulationsprozeß.
Aus dem Gesagten ergibt sich die relative „Schwäche" der
ersteren Methode ziemlich klar. Freilich, der kapitalistische Staat
verfügte bereits über einige Zweige der landwirtschaftlichen Produktion
(z. B. Staatsforste), aber er hatte nicht solche Stützpunkte,
wie cs zum Beispiel die Trusts in der Industrie sind. Aus
diesem Grunde war das Ausmaß der direkten bürgerlichen Nationalisierung
der Produktion verhältnismäßig gering und vollzog
sich gewöhnlich in Form der verschiedenen „Kommunalisierungen"
und „Munizipalisierungen“, Eine umso größere Bedeutung gewann
die zweite Methode: die Regulierung der Produktion durch
Regulierung des Zirkulationsprozesses oder die Organisierung der
Verteilung. Das staatliche Getreidemonopol, das Kartensystem
für landwirtschaftliche Produkte, die Ablieferungspflicht der
Produkte, die Höchstpreise, die organisierte Belieferung mit
Industrieprodukten usw. usw., — all das lenkte letzten Endes
die Entwicklung in die Richtung der Verstaatlichung der Produktion,
Hier nehmen wir einen rückständigen Typus der Entwicklung
wahr, die Anfangsstadien eines organisatorischen Prozesses,
der, ebenso wie in der Industrie, zu seinem Ausgangspunkte
den Zirkulationsprozeß hatte {Corners, Ringe, Syndikate).